Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,
Chère amie et cher ami des relations franco-allemandes,


1) Frühling:  “Er ist`s ...

 .... Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte; / Süße, wohlbekannte Düfte / Streifen ahnungsvoll das Land ...”  So beginnt ein bekanntes Frühlingsgedicht von Eduard Mörike. Trotz Hochwasserkatastrophen wehen auch in der Bretagne schon Frühlingslüfte. Für die des Französisch Mächtigen unter Ihnen schicke ich daher ein Frühlingsgedicht des bretonischen Dichters, Journalisten und Museumsdirektors (des Musée de Kériolet in Concarneau) Adolphe Paban (1839-1900) voraus.  Er publizierte es 1894 in einem Gedichtband mit dem Titel « Au bord de la mer bretonne : alouettes et goélands » (Am Ufer des bretonischen Meeres:  Lerchen und Möwen) und es heißt « Bretonischer Frühling »:

Printemps breton 

Le voici revenu, calmant l'eau dans les anses, 
Rendant aux plus craintifs la barque et l'aviron, 
Le beau printemps breton qui fait fleurir mes stances 
Et peint de tons si frais, de si fraîches nuances, 
Les prés mouillés de Lanniron. 

Les bois du Corniguel tressaillent jusqu'au faîte ; 
Adieu la brume sombre et le sombre ouragan ; 
Les mauves dans l'Odet baignent leur blanche tête 
Et les corbeaux bavards poussent des cris de fête 
Sur Lanroz et sur Kerogan.

Maintenant dans la baie, ouverte à l'improviste, 
Dont la vague n'est plus qu'un étincellement, 
Dans les courtils riants, autour du manoir triste, 
Par la lande aux fleurs d'or, qui plie et qui résiste, 
Le vent soupire doucement. 

C'est comme une magie à travers la campagne ; 
Une sirène chante au Cap Coz, à Beg-Meil, 
Et, sous tes chênes verts, cette langueur me gagne 
Qui fait ton oeil si vague et te berce, ô Bretagne, 
Entre la vie et le sommeil.

2) Bretonische Hochwasser

Trotz dreiwöchiger Bemühungen ist es uns bislang nicht gelungen, in der Bretagne an ein Spendenkonto einer hochwassergeschädigten Gemeinde zu gelangen. Auch Bilder und Berichte etc. habe ich vergeblich angefordert.  Hier gibt es offensichtlich ein “interkulturelles” Problem, denn man zeigte sich in Zeitungsredaktionen wie Gemeinden, selbst beim Regionalrat der Bretagne, eher erstaunt über unser Ansinnen, von Bürger zu Bürger helfen zu wollen. Offensichtlich erwarten alle Hilfe vom Staat - also von Paris? Ich bleibe am Ball und stehe mit einer kleinen, sehr geschädigten Gemeinde mit 3.700 Einwohnern in Kontakt, wo man sich seit zwei Wochen bemüht, ein Konto einzurichten. Wir halten Sie auf dem Laufenden.     

3) Französische Kommunalwahlen  

In Frankreich, also auch in unserer Partnerregion, kündigen sich die Kommunalwahlen an: Am 23. und 30. März 2014 finden in den 36.682 (!) Gemeinden Frankreichs Kommunalwahlen in zwei Wahlgängen statt. Dazu einige Erläuterungen:

Bei den Kommunalwahlen werden die Mitglieder der Gemeinderäte für eine Dauer von sechs Jahren in allgemeiner und direkter Wahl bestimmt; die Wiederwahl ist möglich. Der bei diesen Wahlen angewandte Wahlmodus ist nicht im ganzen Land einheitlich, sondern hängt von der Einwohnerzahl der jeweiligen Gemeinde ab.

In Gemeinden mit weniger als 1.000 Einwohnern werden die Mitglieder des Gemeinderats nach dem Mehrheitswahlrecht gewählt. Im ersten Wahlgang ist die absolute Mehrheit sowie ein Viertel der Stimmen der eingetragenen Wähler erforderlich. Im zweiten Wahlgang genügt die relative Mehrheit.

In Gemeinden mit 1.000 und mehr Einwohnern erfolgt die Listenwahl in zwei Wahlgängen. Wenn eine Liste im ersten Wahlgang die absolute Stimmenmehrheit erringt, so erhält sie die Hälfte der zu vergebenden Sitze. Die anderen Sitze werden nach dem Verhältniswahlsystem auf alle Listen verteilt. Erreicht keine Liste die absolute Mehrheit, so findet ein zweiter Wahlgang statt. Daran können nur die Listen teilnehmen, die mindestens 10 % der abgegebenen Stimmen erhalten haben. Der Liste, die die meisten Stimmen erreicht hat, wird die Hälfte der zu vergebenden Sitze zugesprochen. Die anderen Sitze werden nach dem Verhältniswahlsystem auf alle Listen verteilt.

In Paris, Marseille und Lyon gelten besondere Regelungen. In Paris und Lyon stellt jedes Arrondissement einen Wahlbezirk dar.

Der Bürgermeister wird vom Gemeinderat gewählt. Um Bürgermeister zu werden, muss man in den ersten beiden Wahlgängen die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen erreichen. Wenn nach zwei Wahlgängen kein Bewerber die Mehrheit errungen hat, findet ein dritter Wahlgang statt, bei dem die relative Mehrheit genügt. Nach der Wahl des Bürgermeisters beschließt der Gemeinderat die Anzahl der Beigeordneten (höchstens 30 % der gesetzlich vorgeschriebenen Mitglieder des Gemeinderats) und wählt sie. Die Beigeordnetenmandate müssen paritätisch vergeben werden.

Quelle: http://www.ambafrance-de.org/Wahlen-und-Wahlverfahren-kommmunal

Über die Kommunalwahlen in der Bretagne seit 1900 (!) hielt übrigens im November letzten Jahres der Geschichts- und Geografielehrer Jean Guiffan aus Nantes, Bretagne- und Irlandexperte,  einen Vortrag, den Sie als Video im Internet nachhören können: “Élections municipales en Bretagne depuis 1900. La conférence de Jean Guiffan en videos et photos”: <http://www.agencebretagnepresse.com/fetch.php?id=32017>
Dieser Seite entnahm ich auch die Information über ein bretonisches Wahllied namens “Son ar vot”, geschrieben 1991 von dem Soziologen Ronan Le Coadic (*1962) , gesungen von dem Barden Erik Marchand (*1955), anzuhören bzw. herunterzuladen unter: <http://www.musicme.com/#/Erik-Marchand/titres/Son-Ar-Vot-t502591.html?ipg=2>

4) Sommer? Ferien? Auf in die Bretagne ... welche Bretagne?

Dem Frühling folgt der Sommer und damit auch Ihre Sommerferien. Haben Sie schon geplant? Vielleicht sogar eine Reise in die Bretagne. Leider kann unsere für den April geplante Studienreise in die Bretagne mit Eberhardt-Travel GmbH nicht stattfinden, denn es haben sich nicht genug Teilnehmer angemeldet. Offensichtlich ziehen unsere meist jüngeren Mitglieder und Bretagne-Fans es vor, als Individualreisende in den Westen Frankreichs zu fahren. Ein Grund mehr, sich einen aktualisierten Bretagne-Führer zuzulegen. In der Anlage habe ich Ihnen drei aktuelle Bretagne-Führer zusammengestellt. (Diesmal werde ich allerdings nicht mit gutem Beispiel vorangehen können, denn mich zieht es in mein nicht minder geliebtes Kanada.) Wie Sie der Karte auf der Rückseite des Bretagne-Führers von Michelin entnehmen können,  umfasst diese Karte - wie auch die in den meisten anderen Bretagne-Reiseführern - nicht nur die vier Departements der Région Bretagne, sondern auch das seit 1941 von der historischen Bretagne abgetrennte Département Loire Atlantique, das aktuell zur Région Pays de la Loire gehört. Zu Ihrer Meinungsbildung habe ich ebenfalls in den Anhang eine kurze Karten-Übersicht über diese in der Bretagne seit Jahrzehnten mehr oder minder heiß diskutierte Thematik der geteilten Bretagne eingestellt.

5) Sorben und Bretonen

Unsere in der Lausitz angesiedelte sprachlich-kulturelle Minderheit der Sorben (frz. Sorabes)  hat nun endlich auch ein eigenes Kulturlexikon erhalten. Das “Sorbische Kulturlexikon”, so heißt dieses neue Standardwerk aus dem Domowina-Verlag in Bautzen.  Es umfasst auf 580 Seiten 230 Stichworte zu Geschichte, Sprache, Literatur, Brauchtum, Trachten, Musik, Sagen und Mythen dieses kleinsten slawischen Volkes. Am 13. März wird das Buch auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt!  Mit dieser sorbischen Enzyklopädie in deutscher Sprache gibt es endlich ein sorbisches Pendant zur bekannten Bretagne-Enzyklopädie aus dem auf französische Regionen spezialisierten Verlag Christine Bonneton  “Encyclopédies Bonneton - La passion  de votre région”: http://www.editions-bonneton.com/album/bretagne.html – Schön wär’s, wenn ein bretonischer Verlag sich für das Sorbische Kulturlexikon interessieren und eine französische Übersetzung anfertigen würde. Auf dass die Minderheiten einander kennenlernen.  
Zum Thema Regionen, regionaler Identität und regionaler Universalitätgäbe es noch viel zu sagen, zumal ich zu diesem Thema brandneues Material aus Frankreich mitgebracht habe. Doch für heute reicht’s, es soll ja nur ein kleiner Rundbrief sein. Und dieser geht nicht nur an die seit vorgestern 68 (!) zahlenden Mitglieder unserer Gesellschaft, denen nie genug gedankt werden kann, denn unsere Gesellschaft erhält keinerlei öffentliche Unterstützung, sondern auch an ausgewählte Frankreich- und Bretagne-Liebhaber, von denen wir hoffen, dass sie unser ehrenamtliches Netzwerk unterstützen.

Und wenn Sie diesen Rundbrief gelesen haben, versäumen Sie bitte nicht, einen weiteren Blick auf unsere Internetseite <www.sachsen-bretagne.de> zu werfen. Die neue Rubrik “Bretonisches Kaleidoskop” unseres Mitglieds Dr. Michael Krause bietet neue Texte,  zum Beispiel den über eine “Hochzeit mit entblößtem Bein” ... Bonne lecture!  

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù
 
Ihr Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.