Erst in diesen Tagen erreichte uns aus Wien die traurige Nachricht vom Tod der ehemaligen Direktorin der Französischen Kulturinstitute in Dresden und Rostock, Madame Mireille Denise Geloen (31.10.1945 – 23.1.2016).

In Dresden prägte die im nordfranzösischen Lille geborene Germanistin von 1996 bis 2001 die Aufbaujahre des in der Wendezeit gegründeten Institut français und kämpfte erfolgreich für den Erhalt ihres Instituts in der Dresdner Kreuzstraße. In Rostock fand sie von 2005 bis 2008 eine neue Wirkungsstätte für ihre schon in Dresden so nachhaltige Kulturarbeit. Stolz war sie auf ihr Institut in der Stephanstraße. “Was würden Sie einem Besucher unbedingt zeigen? Das Institut Francais, naturellement!”(Interview Ostsee-Zeitung, 2. März 2006, https://www.nordbrief.de/downloads/OZ_02.03.2006.pdf).
 
Mit unermüdlichem Fleiß und Engagement lebte Mireille Geloen in jenen Jahren in Dresden und Rostock ihre Definition von Glück: „Brücken zwischen Menschen, Generationen und Ländern schlagen zu können“ (Interview Ostsee-Zeitung) und machte sich in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern um die Verbreitung der französischen Kultur und Sprache sowie um die deutsch-französische Freundschaft verdient. Die Französische Republik ehrte sie mit dem Nationalen Verdienstorden und schloss das Institut in der Stephanstraße. Als eingetragener deutsch-französischer Verein unter dem Namen Institut franco-allemand de Rostock mit Sitz im Innerstädtischen Gymnasium wird die Arbeit seit 2008 fortgeführt.    
 
In Wien fand Mireille Geloen nach ihrer Pensionierung eine neue Wahlheimat und ihr privates Glück. Am 23. Januar, drei Tage vor der geplanten Hochzeit mit ihrem Liebsten und nur wenige Monate nach ihrem 70. Geburtstag, erlöste sie der Tod von den Schmerzen einer schweren Krankheit.

mireille_denise_geloen.png
Foto: privat

Die Ostsee-Zeitung fragte Mireille Geloen einst nach ihrem Traum, den sie sich noch erfüllen möchte. Ihre Antwort: „Ich möchte unbedingt die Sprache der Möwen erlernen.“ Wir wissen es nicht, ob sie das noch schaffte. Aber wir wissen, dass sie in Wien die Sprache der Liebe fand. Dort fand sie auch ihre letzte Ruhestätte. (http://peter.fleissner.org/Mireille/Mireille%20Geloen_Parte.pdf)
 
Wir werden Mireille Geloen und ihrem Engagement für den Brückenschlag “zwischen Menschen, Generationen und Ländern” ein ehrendes Andenken bewahren.


Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom, Dresden
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.