Dass wir auch in der Not aneinander denken, beweist in diesen Tagen unsere bretonische Schwestergesellschaft, die Association Saxe-Bretagne in Rennes.

Seit dem 19. Juni steht auf ihrer Internetseite ein Aufruf, nicht nur an die unter dem Hochwasser notleidenden Bürgerinnen und Bürger in der Partnerregion Sachsen zu denken, sondern auch für die Opfer der Flut zu spenden. Gezielt hat sich die Association Saxe-Bretagne eine kleine sächsische Gemeinde ausgesucht, die zum zweiten Mal heimgesucht wurde: die Stadt Grimma an der Mulde.

Ich erinnere ganz aktuell daran, dass auch Frankreich in diesen Tagen von Hochwassern und Überflutungen nicht verschont wurde: Im Südwesten, genauer in Hautes-Pyrénées, mussten 2.000 Menschen evakuiert werden. Zwei Tote sind bereits zu beklagen. Die Grotte von Lourdes steht 3,50 m unter Wasser.

Wussten Sie, dass der französische Schriftsteller und Politiker Alphonse de Lamartine (1790-1869) 1842 den Großen Brand von Hamburg vom Mai 1842 (er zerstörte große Teil der Altstadt) und die schweren Hochwasser in Südfrankreich im selben Jahr (http://memoiredescatastrophes.org) zum Anlass nahm, zur deutsch-französischen Solidarität und zur Versöhnung aufzurufen?

Hier ein Auszug aus seinem Appell:

"(...) Die Flutopfer des Midi, die Feuersbrunstgeschädigten von Hamburg lernen, dass sie Brüder haben auch jenseits ihrer Nationalitätsgrenzen. So vollzieht sich langsam und instinktiv die Versöhnung der Ideen und der Rassen, deutliches Symptom für ihre baldige und dauerhafte Harmonie. Das ist der wahre politische Gedanke dieses Jahrhunderts. (...)." - "(...) Les inondés du Midi, les incendiés de Hambourg apprennent qu¹ils ont des frères au-delà des limites de leurs nationalités. Ainsi s¹opère, lentement et instinctivement, la réconciliation des idées et des races, symptôme évident de leur prochaine et durable harmonie. C¹est là la vraie pensée politique de ce siècle.(...). " Quelle: Édouard Herriot: Europe. Paris, les éditions Redier, 1930, S. 33-35.

Es musste leider sehr lange dauern, und es bedurfte noch ganz anderer schrecklicher Ereignisse, bis dieser "wahre politische Gedanke" aus dem Jahre 1842 zu einem Jahrhundertgedanken werden konnte. Nun haben wir ihn, zumindest in Europa, doch selbstverständlich ist er nie.

Wir danken unseren Freunden in der Bretagne, dass sie - ganz im Geiste von Alphonse de Lamartine - an die Flutopfer in Grimma denken und ihnen helfen.

Ingo Kolboom

Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V