Liebe Frankreichfreunde, chère amie, cher ami,

Sie hatten eine Einladung erhalten zur Vergabe des Literaturpreises “Hommage à la France” der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry an die deutsche Autorin Anna Tüne für ihr Buch “Von der Wiederherstellung des Glücks. Eine deutsche Kindheit in Frankreich” am 14. November im Lingnerschloss Dresden.

Denen unter Ihnen, die bei der Preisvergabe gestern Abend nicht dabei sein konnten, möchte ich mitteilen, dass unsere Hommage an Frankreich angesichts der schrecklichen Nachrichten über die brutalen Attentate in Paris  - wie Sie sich denken können - eine Hommage an ein Land und an Menschen wurde, die seit Freitagabend in tiefer Trauer sind. Trauer und Zorn haben uns nicht davon abgehalten, unserem Freundesland Frankreich die feierliche Würdigung zukommen zu lassen, die ihm zusteht.  

Am Anfang der Veranstaltung verlasen die Stifterin Brigitte Schubert-Oustry und der Ehrenpräsident der Stiftung eine Gemeinsame Erklärung zu den terroristischen Anschlägen in Paris und stellten die Veranstaltung unter das Zeichen der Solidarität mit Frankreich. Als Anhang füge ich Ihnen den Text meines Grußwortes bei. Der Text der wunderbaren Laudatio von Susanne Dagen auf Anna Tüne und ihr Buch “Von der Wiederherstellung des Glücks. Eine deutsche Kindheit in Frankreich” wird zeitnah auf der Internetseite der Literaturstiftung Hommage à la France veröffentlicht werden: http://www.hommage-a-la-france.de/

Mit freundlichen Grüßen - Cordialement

Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom
Ehrenpräsident und Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry (www.hommage-a-la-france.de)

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,
Liebe Bretagne-Liebhaber,
Chers compagnons de la route franco-allemande,
Chère amie, cher ami,

am 24. Oktober überreichte S.E. Philippe Etienne, Botschafter von Frankreich in Deutschland, in der Französischen Botschaft in Berlin den “Prix Joseph Rovan de l’Ambassadeur de France aux DFG”. Unsere Sächsisch-Bretonische Gesellschaft erhielt den mit 900 € dotierten 1. Preis für das pädagogische Medienpaket “La Bretagne - Tour d’horizon d'une région partenaire” (DVD/CD).

In Vertretung des SBG-Vorstands nahm unser Leipziger Mitglied Dr. Bernd Schmidt die Ehrung aus den Händen des französischen Botschafters an. Bernd Schmidt ist unserem Vorstand beigeordnet als Verantwortlicher für Kontakte mit Schulen und Lehrern, zudem ist er Vizepräsident der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer (VdF) und Regionalpräsident der VdF-Sachsen. Er hatte auch die Ehre, unser Projekt dem Publikum vorzustellen.

Der 2. Preis (700 €) ging an die Partnerschaftsgesellschaft Lemgo/ Vandœuvre-lès-Nancy, der 3. Preis (500 €) an die Deutsch-Französische Gesellschaft Magdeburg. Den Ehrenpreis erhielten sechs Vertreter des Juniorenforums 2015 für ihr Internetprojekt einer deutsch-französischen Suchmaschine namens "froodel". Um die Auszeichnung hatten sich in diesem Jahr elf Organisationen beworben. Erstmals kündigte der Botschafter das Leitthema des Prix Rovan 2016 schon im Jahr davor an: « Défendre les valeurs de liberté d’expression et de respect de la différence en Europe. En quoi les DFG peuvent-elles apporter leur savoir-faire en matière de rencontre pour favoriser l’apprentissage de la diversité ? »

Zur Information:
Mit dieser Auszeichnung würdigt der französische Botschafter in Deutschland seit 2006 jährlich Deutsch-Französische Gesellschaften (DFG), die sich in besonderer Weise um den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Frankreich und um neue Zielgruppen oder die Sprachförderung verdient gemacht haben. Der Preis ehrt seinen Namensgeber, den Historiker, Journalisten, Hochschullehrer und Architekten der deutsch-französischen Freundschaft Joseph Rovan (1918-2004). Der aus München stammende und 1934 nach Frankreich emigrierte Rovan hatte sich zeitlebens für die Zusammenarbeit und Versöhnung unserer beiden Völker eingesetzt. Mehr dazu in meinem Nachruf “Er glaubte an das Deutschland, das wir alle verdienen... Der große Franzose Joseph Rovan ist tot” unter der Internetadresse: http://www.romanistik.info/pdf/nachruf-rovan.pdf

Wir danken der deutsch-französischen Jury des “Prix Joseph Rovan de l’Ambassadeur de France 2015”, namentlich S.E. Philippe Etienne und Gereon Fritz, den Präsidenten der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V (VDFG), für diese ehrenvolle Auszeichnung. Wir freuen uns, dass die Bemühungen der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft um ein weltoffenes Sachsen am Beispiel einer deutsch-französischen Regionalpartnerschaft auf diese Weise gewürdigt wurden.

Wir freuen uns darüber umso mehr, als wir im 20. Jahr des Bestehens der sächsisch-bretonischen Partnerschaft leider nicht das Gefühl haben, dass unsere Bemühungen um die Beseelung dieser Beziehung bei den staatlichen Stellen, die einst das Abkommen unterzeichneten, auf Interesse stoßen. Wenn heute an verantwortlicher (!) Stelle in Sachsen uns gegenüber argumentiert wird, eine solche Regionalpartnerschaft sei interessanter für Regionen, die einander “grenznah” seien, dann stellt sich die Frage, ob der Geltungsbereich des Elysée-Vertrags wieder auf das Gebiet der alten BRD zurückgeschraubt werden soll. Ein Trost, dass andere “östliche” Bundesländer, auch nicht “grenznah” zu Frankreich, dies anders sehen. Die Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt, seit 2004 Partner der französischen Region Centre, hat in diesem Jahr einen aus Frankreich stammenden “Beauftragten für deutsch-französische Angelegenheiten” eingestellt – er hatte einst an der TU Dresden an meinem ehemaligen Lehrstuhl gearbeitet und ist Mitglied der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft.

Non au déclin programmé de l’Allemand en France!
Nein zum programmierten Niedergang der deutschen Sprache in Frankreich!
Madame la Ministre, vous vous trompez!
Sprachlosigkeit am Rhein - nein danke, non merci!

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft,
chère amie et cher ami de l’entente franco-allemande,
 
Was den Französischunterricht in Deutschland und den Deutschunterricht in Frankreich angeht, waren wir mit dem Erreichten nie zufrieden. Wir maßen das Erreichte stets an den mit den Élysée-Vertrag von 1963 verbundenen Versprechungen und Hoffnungen.

Der Vertrag von 1963 ist nicht zu trennen von dem Ereignis, dessen wir heute mahnend gedenken: den 8. Mai 1945, an dem das Ende des “Dritten Reiches” und des deutschen  Faschismus besiegelt wurde. Erinnert sei daher an die dem Élysée-Vertrag vorangestellte Gemeinsame Erklärung des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland Konrad Adenauer und des Präsidenten der Französischen Republik Charles de Gaulle, wo es heißt, “daß die Versöhnung zwischen dem deutschen und dem französischen Volk, die eine Jahrhunderte alte Rivalität beendet, ein geschichtliches Ereignis darstellt, das das Verhältnis der beiden Völker zueinander von Grund auf neugestaltet, (...) daß eine enge Solidarität die beiden Völker sowohl hinsichtlich ihrer Sicherheit als auch hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung miteinander verbindet, (...) daß insbesondere die Jugend sich dieser Solidarität bewußt geworden ist, und dass ihr eine entscheidende Rolle bei der Festigung der deutsch-französischen Freundschaft zukommt (...)”.

Demzufolge wurde im Vertrag unter Abschnitt “C. Erziehungs- und Jugendfragen” der Förderung des Sprachunterrichts eine besondere Bedeutung zuerkannt. So heißt es:
Die beiden Regierungen erkennen die wesentliche Bedeutung an, die der Kenntnis der Sprache des anderen in jedem der beiden Länder für die deutsch-französische Zusammenarbeit zukommt. Zu diesem Zweck werden sie sich bemühen, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der deutschen Schüler, die Französisch lernen, und die der französischen Schüler, die Deutsch lernen, zu erhöhen. Die Bundesregierung wird in Verbindung mit den Länderregierungen, die hierfür zuständig sind, prüfen, wie es möglich ist, eine Regelung einzuführen, die es gestattet, dieses Ziel zu erreichen. Es erscheint angebracht, an allen Hochschulen in Deutschland einen für alle Studierenden zugänglichen praktischen Unterricht in der französischen Sprache und in Frankreich einen solchen in der deutschen Sprache einzurichten.” (http://www.deutschland-frankreich.diplo.de/Elysee-Vertrag-22-Januar-1963,347.html).
 
Aber allen Folgeabkommen und Empfehlungen zur Förderung der beiden Partnersprachen zum Trotz sank die Zahl der Deutschlerner in Frankreich seit 1963 immer weiter. Allein in den Jahren zwischen 1995 und 2005 sank die Zahl der Deutsch lernenden Sekundarschüler um etwa ein Drittel zugunsten von Englisch und Spanisch. Dies lag nicht allein am Desinteresse von Schülern und Eltern, an der Nützlichkeit von Englisch oder an der angeblichen “Leichtigkeit” von Spanisch.  Interesse muss auch geweckt, institutionell gefördert und erhalten werden. Politische Absichtserklärungen nutzen wenig, wenn sie von den politisch Verantwortlichen selbst nicht ernst genommen werden. Ein positives Beispiel:  Mit zwei anderen Schülern wurde mir 1959 von  einer schleswig-hosteinischen Schulbehörde die Möglichkeit eingeräumt, als zweite Fremdsprache Französisch statt Latein zu wählen. So gab es für drei Schüler einen Französischlehrer.  Das war noch vier Jahre vor dem Elysée-Vertrag!
 
Zurück zu Frankreich. Erst mit der Einführung der bilingualen Klassen und der  „Europaklassen“ mit verstärktem Fremdsprachenangebot in den einheitlichen staatlichen  Mittelschulen/Collèges (6. bis einschließlich 9. Klasse, danach Gymnasium/Lycée) vor einem Jahrzehnt konnte eine Trendwende eingeleitet werden. Derzeit lernen etwa eine Million französische Schüler Deutsch, 9,6 Prozent schon in der Primarstufe und 15,2 Prozent in der Sekundarstufe. (FAZ 22.04.15, S. 3).
 
Nun ist das Erreichte wieder bedroht.
 
Nach den Plänen der sozialistischen französischen Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem (37 Jahre) soll das Collège reformiert werden, indem Fächern wie Deutsch, Latein und Altgriechisch der  „elitäre“ Charakter genommen werden soll. Die europäischen, bilingualen und altsprachlichen Lehrangebote seien „Inseln der Behaglichkeit“, die nur einigen privilegierten Schülern zugute kämen.  

Im Klartext: ab September 2016 sollen die bilingualen Klassen und „Europaklassen“ nicht mehr angeboten werden. An deren Stelle sollen künftig alle Schüler schon von der 7. Klasse an eine zweite Fremdsprache lernen, diese wird aber nur noch zweieinhalb Unterrichtsstunden pro Woche gelehrt. Im Rahmen dieses Programms Gleichheit für alle soll der Fremdsprachenunterricht an Grundschulen erweitert werden - von dazu nicht ausgebildeten Grundschullehrern.  

Diese Planung hat in Frankreich eine erbitterte Debatte ausgelöst. Die Kritiker sehen in dieser Maßnahme eine Pseudodemokratisierung, die darauf hinausläuft, dass mehr Schüler noch weniger können. Hauptopfer dieser durch Breitenförderung der zweiten Fremdsprache mit noch weniger Unterrichtsstunden erzeugten Nivellierung sei die deutsche Sprache, die den Ruf hat, „schwierig“ zu sein. Gewinner werden verstärkt Englisch und Spanisch sein.
 
Wir stehen also vor einem Paradoxon:

Während in Spanien auch ohne deutsch-spanische Freundschafts- und Sprachenabkommen ein Boom der Deutschlerner ausgebrochen ist, während Frankreichs Unternehmen händeringend Kandidaten mit Deutschkenntnissen suchen, denn Deutschland ist immer noch Frankreichs erster Handelspartner  (FAZ 30.04.15, Wirtschaft, S. 19), ist Deutsch in Frankreich durch die Kraft des Faktischen als zweite Fremdsprache einer fortschreitenden Marginalisierung ausgeliefert, Spanisch hingegen wird sich als privilegierte, später kaum  praktizierte Zweitsprache inthronisiert sehen. Die Schulbehörde von Montpellier will diese Fremdsprachenreform gar auf dieses Jahr vorziehen. Schon im September sollen die Mittel für den Fremdsprachenunterricht umverteilt werden. Dem “Collège Les Aiguerelles” sollen 34 Unterrichtsstunden gestrichen werden - “das käme einem frühzeitigen Ende der internationalen Ausrichtung und der Förderprogramme gleich”. (FAZ, 30.04.2015, S. 3).
  
In Frankreich laufen Deutschlehrer, Eltern, Politiker aller Parteien, Verbände, Unternehmer  in ungewohnter Weise Sturm gegen diese Pläne, die Kritikern zufolge „auf das programmierte Ende des Deutschunterrichts“ hinauslaufen. In Montpellier halten die Eltern bereits eine Mahnwache vor ihrem Collège Les Aiguerelles ab und sind zum Äußersten bereit.

Allein 60 Abgeordnete der Nationalversammlung aus allen Parteien, darunter auch der aus der Bretagne stammende ehemalige sozialistische Premierminister (und ehemalige Deutschlehrer) Jean-Marc Ayrault, hatten bereits öffentlich gegen die geplante Reform protestiert. Nun haben wieder 164 Abgeordnete, Senatoren und Europaabgeordnete der bürgerlichen Rechten (UMP)  einen offenen Brief an Staatspräsident Hollande geschrieben. Die deutsche Botschafterin in Paris, Susanne Wasum-Rainer, zeigte sich alarmiert und auch der deutsch-französische Ministerrat befasste sich mit dem Thema.  

Der in der Bretagne geborene Sozialist Pierre-Yves Le Borgn’, Vorsitzender der französisch-deutschen Parlamentariergruppe in der französischen Nationalversammlung, schrieb einen Offenen Brief an die Ministerin „Apprentissage de l’allemand : Madame la Ministre, vous vous trompez !“ und verfasste zusammen mit seinem deutschen Kollegen Andreas Jung MdB, Vorsitzender der deutsch-französischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, einen Artikel für die FAZ und Les Échos mit dem Titel „Sprachlosigkeit am Rhein - nein danke, non merci!“ 

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 (Protest-Icons auf der Website des bretonischen Abgeordneten Pierre-Yves LE BORGN’)

 
Nicht minder umstritten ist, dass laut dem neuen Lehrplan die Geschichte des Christentums und der Aufklärung nicht mehr verpflichtend gelehrt werden. „Die Geschichte des Islams wird hingegen zur Pflichteinheit im Geschichtsunterricht erhoben. (...) ‘Neuer Lehrplan: Islam Pflicht, Aufklärung bei Belieben’, twittert der Philosoph Michel Onfray. ‘Michel Houellebecq kann frohlocken.’ ” (FAZ, 08.05.2015, S. 6).  
 
Die Lehrergewerkschaften haben zu einem Streik gegen die Reform am 19. Mai aufgerufen!
 
Staatspräsident Hollande stellte sich soeben schützend vor seine Ministerin. Seine Regierung sei nicht länger zum Schutz von Partikularinteressen bereit. „Der Sozialist gab damit zu verstehen, dass er die Förderung des Deutschunterrichts für ein ‚Partikularinteresse’ hält.“ (FAZ, 08.05.20ß15, S. 6).
 
 
Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft,
chère amie et cher ami de l’entente franco-allemande, Verteidiger der kulturellen und sprachlichen Vielfalt,
 
Wir haben schon immer unsere Sprachen in beiden Ländern nicht als Fremdsprachen, sondern als Sprachen unter engen Nachbarn und Freunden beworben. Die Fürsorge für beide Sprachen ist unteilbar. Die Fürsorge für die Sprache des Freundes ist von der Liebe zur eigenen Sprache nicht zu trennen.
 
Meinen Standpunkt habe ich dazu immer wieder öffentlich gemacht, nicht zuletzt auch in den 16 Jahren meiner Mitgliedschaft im Deutsch-Französischen Kulturrat. Ich messe das Erreichte immer noch an meinen Idealen, an meinem „rêve franco-allemand“, den ich schon als junger Mensch, lange vor der Geburt der französischen Ministerin hegte (http://www.france-blog.info/ingo-kolboom-defendons-un-reve-franco-allemand).
 
Daher blicken auch wir mit großer Sorge auf die Pläne der in Marokko geborenen Ministerin, die vom Elysée-Vertrag offensichtlich nicht nur altersmäßig weit entfernt ist. Sie wie auch ihr Staatspräsident sprechen sich gegen “Partikularinteressen” aus. Wie bitte? Der Elysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 zertifizierte ein partikulares Verständnis von der deutsch-französischen Beziehung, das auf der besonderen, tragisch verlaufenen Geschichte beider Völker, die sich einst aus einem gemeinsamen karolingischen Reich herausentwickelt haben, beruht. Dieser partikulare Charakter deutsch-französischer Entente bestimmte auch die Entwicklung der europäischen Integration, die ohne dieses partikulare Zusammenspiel nicht zustande gekommen wäre.

Daher halten wir die gerade den Deutschunterricht treffende Feststellung von François Hollande, seine Regierung stehe zum Schutz von “Partikularinteressen” nicht mehr bereit, für eine Verletzung des partikularen Geistes des Élysée-Vertrags!

Daher halten wir es mit der Vereinigung Deutsch-Französischer Gesellschaften für Europa e.V. (VDFG, http://www.vdfg.de), deren Mitglied die Sächsisch-Bretonische Gesellschaft ist, und rufen mit der VDFG:  
 
Non au déclin programmé de l’Allemand en France!
Nein zum programmierten Niedergang der deutschen Sprache in Frankreich!

Daher bitten wir auch Sie: Unterschreiben Sie die Petition des französischen Deutschlehrerverbandes ADEAF: Pétition Réforme du collège – NON à la disparition programmée de l’allemand de l’enseignement en France : www.petitionpublique.fr/PeticaoVer.aspx?pi=rcADEAF

Oder schreiben Sie an die französische Erziehungsministerin Najat Vallaud-Belkacem oder an den Staatspräsidenten François Hollande. Musterbriefe finden Sie unter: http://adeaf.net/spip.php?article85 <http://adeaf.net/spip.php?article85>


Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù
 
Prof. Dr. Dr. h.c. Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.
Mitglied im Deutsch-Französischen Kulturrat 1993 – 2009
Leiter des deutsch-französischen Programms an der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik 1983-1994
Professur für Frankeichstudien und Frankophonie an der TU Dresden 1994 – 2012
Assoziierte Professur für Deutschland-Frankreichstudien an der Université de Montréal 1999 – 2009

www.sachsen-bretagne.de


Machen Sie sich selbst ein Bild von der Debatte anhand der unten zitierten Quellen und Zeugnisse:

„sauvons l'allemand en france renforcons le francais en allemagne": http://www.france-blog.info/sauvons-lallemand-en-france-renforcons-le-francais-en-allemagne 

Lettre ouverte de Pierre-Yves Le Borgn', député des Français de l'étranger, circonscription Allemagne, Europe centrale et orientale: „Apprentissage de l'allemand : Madame la Ministre, vous vous trompez !":
http://www.pyleborgn.eu/2015/04/apprentissage-de-lallemand-madame-la-ministre-vous-vous-trompez/?fb_action_ids=10153338067542975&fb_action_types=og.comments

„Le grand direct de l'actu - Abandon de langues au collège : baisse du niveau ?", Europe1: http://www.europe1.fr/mediacenter/emissions/le-grand-direct-de-l-actu/sons/le-grand-direct-de-l-actu-abandon-de-langues-au-college-baisse-du-niveau-2434557

„Réforme du collège - Vallaud-Belkacem : "Que les conservateurs tombent les masques !", Le Point: http://www.lepoint.fr/politique/emmanuel-berretta/reforme-du-college-vallaud-belkacem-que-les-conservateurs-tombent-les-masques-20-04-2015-1922828_1897.php

„Réforme du collège : Grosse Katastrophe ?", Arte: http://info.arte.tv/fr/reforme-du-college-grosse-katastrophe

„Parlons allemand!" Sylvie Goulard in der FAZ: http://www.sylviegoulard.eu/parlons-allemand-ein-protest-gegen-den-deutschkurs-in-paris/

„Sprachlosigkeit am Rhein - nein danke, non merci!" Andreas Jung, MdB, und Pierre-Yves LeBorgn', député Assemblée nationale, in FAZ und Les Échos 30.04.15: http://www.association-iceo.fr/spip09/spip.php?article550

„Frankreich kürzt den Deutschunterricht", Frankfurter Allgemeinen Zeitung: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/frankreich-kuerzt-den-deutschunterricht-13539806.html

„Deutsche Sprache in Frankreich: Au revoir, Goethe?", Der Spiegel: http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/deutsche-sprache-in-frankreich-schulreform-gefaehrdet-bilinguales-lernen-a-1029814.html

„Frankreich hält deutsche Sprache für viel zu elitär", Die Welt: http://www.welt.de/politik/ausland/article139653989/Frankreich-haelt-deutsche-Sprache-fuer-viel-zu-elitaer.html

„Parlez-vous Deutsch?", Süddeutsche Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/politik/frankreich-parlez-vous-deutsch-1.2446435

„Deutsch in Gefahr?", Tagesschau: http://www.tagesschau.de/ausland/deutschunterricht-frankreich-101.html

"Ist der Deutschunterricht in Frankreich in Gefahr?", Arte: http://info.arte.tv/de/die-reform-des-college-volle-fahrt-auf-die-grosse-katastrophe

Der Sommerbrief vom Präsidenten der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft,
Chère amie et cher ami des relations franco-allemandes,

ES IST AUGUST, dieser gereifte Sommermonat mit der vom Dichter ergriffenen seltsam ruhenden Sehnsucht. "Die Seen hell, die Himmel weich, / die Äcker rein und glänzen leise", heißt es in Gottfried Benns berühmten Gedicht "Einsamer nie als im August". Der im bretonischen Städtchen Maël-Carhaix (Mêl-Karaez) im Département Côtes-d'Armor geborene Schriftsteller Robert Le Tanou ist ein Augustkind, da "geboren im Monat August, in der Zeit der Ernte, / In einem Land aus Salz, aus Seetang und Stechginster / Im Herzen der Bretagne, wo die Knicklandschaft König ist/geboren von Eltern deren Reichtum allein der Glaube war..." Das Poem "Mein Land" ist eine stille Liebeserklärung dieses 1932 geborenen Schriftstellers an seine Bretagne und ich reiche diese Verse, die mir eine Bretonin hat zukommen lassen, gerne im Original an Sie weiter ....

Die Fortsetzung dieses acht Seiten langen Sommerbriefes lesen Sie als PDF.

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù

Ihr Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Die Sächsisch-Bretonische Gesellschaft e.V.
wünscht ihren Mitgliedern und Freunden
Frohe Ostern - Wjesole Jutre (sorbisch)
Joyeuses Pâques - Pask mat deoc'h (bretonisch)

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.
Chère amie et cher ami des relations franco-allemandes,
Bonjour, Demat, Guten Tag,
 
nun ist es offiziell: das Institut français Berlin bleibt im Maison de France. Entgegen der Ankündigung vom April 2013 verkauft Frankreich nicht sein „Berliner Haus“ am Ku’damm! Damit bleibt uns allen diese seit 1950 bestehende Traditionsstätte französischer Kultur und deutsch-französischer Begegnung erhalten. Die Proteste aus ganz Deutschland und Frankreich – daran hatte sich auch unsere Sächsisch-Bretonische Gesellschaft beteiligt - gegen die damalige Entscheidung waren also nicht ohne Wirkung geblieben? Zudem hatte sich der geplante Umzug des Institut français in das Gebäude der Französischen Botschaft am Pariser Platz aus logistischen Gründen als schwer durchführbar erwiesen.
 
Auch das verbesserte Klima zwischen der Pariser Regierung und der neuen „GroKo“-Regierung in Berlin dürfte an dieser neuen Entscheidung des Quai d’Orsay nicht unschuldig gewesen sein ...
.......

Die Fortsetzung dieses Briefes lesen Sie bitte im Rundbrief-Original hier.

Auf Grund der für die Empfänger günstigen Datenkomprimierung des PDF sind Briefkopf und Impressum auf der ersten Seite des Rundbriefes etwas unscharf geworden. Bitte dies in Kauf zu nehmen; mache alles selbst am häuslichen MAC.

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù
 
Ihr Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,
Chère amie et cher ami de la France et des relations franco-allemandes,


heute, am 30. November, wird unsere Regionalpartnerschaft mit der Bretagne "volljährig", auf Französisch "majeur"!

Denn vor genau 18 Jahren, am 30. November 1995, unterzeichneten der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Kurt Biedenkopf, und der Präsident des Regionalrates der Bretagne, Senator Yvon Bourges, eine "Gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Region Bretagne". Die historische "Gründungsurkunde" ist hier zu finden.

Dieses regierungsamtliche Abkommen von 1995 ist auch der Referenzrahmen unserer beiden eingetragenen Vereine in Sachsen und in der Bretagne, die es sich zur Aufgaben machen, diese Partnerschaft mit bürgerlichem Leben zu füllen. In Rennes ist es die 1996 gegründete “Association Saxe-Bretagne” (www.saxe-bretagne.fr), die ursprünglich Association des amis du jumelage Saxe-Bretgane hieß, in Dresden ist es unsere 2004 gegründete “Sächsisch-Bretonische Gesellschaft e.V.” (www.sachsen-bretagne.de).  

Möglich wurde beides durch zwei historische Ereignisse, die ich uns allen gerne in Erinnerung rufe:

Auf französischer Seite war es das unter der ersten Präsidentschaft von François Mitterrand beschlossene Dezentralisierungsgesetz (“Loi Defferre”) von 1982, das die Regionen erstmals in den Rang einer Gebietskörperschaft (“collectivité territoriale”) erhob. Das Beschlussorgan der Region wurde der für 6 Jahre gewählte Regionalrat (“conseil régional”), an dessen Spitze der Präsident des Regionalrats steht. Unterstützt von einem Wirtschafts- und Sozialausschuss ist der Regionalrat zuständig für die Wirtschaftsplanung und -förderung, die Raumordnung, den Bau und Betrieb der Lycées u.a.m.. Im Unterschied zu den deutschen Ländern sind die französischen Regionen keine Gliedstaaten mit eigener Verfassung, ihre Autonomie ist finanzieller, nicht aber gesetzgeberischer Art. Heute ist Frankreich ist in 27 Regionen gegliedert. Davon liegen 22 in Europa und 5 in Übersee ("outre-mer"). (www.frankreich-info.de/themen/politik/regionen).

Mit dieser Aufwertung der französischen Regionen wurden diese auch international erstmals "handlungsfähig". So sind sie vertreten im "Ausschuss der Regionen" ("Comité des régions") der Europäischen Union und können auch internationale Partnerschaften eingehen. Damit hatten die deutschen Länder erstmals einen regionalen Ansprechpartner in Frankreich, so dass neben den Kommunalpartnerschaften nun auch Regionalpartnerschaften geschlossen werden konnten. (www.sachsen-bretagne.de/index.php/der-verein-mainmenu-27/regionalpartnerschaften-deutschland-frankreich1).

Doch bis 1990 waren dies nur westdeutsche Regionalpartnerschaften mit Frankreich, zumal die DDR die Länder 1952 wieder abgeschafft hatte. Die im Gefolge der ostdeutschen Revolution erstmal frei gewählte Volkskammer der DDR stellte dann am 22. Juli 1990 mit dem "Ländereinführungsgesetz" die fünf Länder wieder her, so auch unseren Freistaat Sachsen! Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurden die fünf Länder gleichzeitig mit der Auflösung der DDR neue Gliedstaaten der Bundesrepublik Deutschland.

Somit waren beiderseits alle Voraussetzung erfüllt für die schon vier Jahre später auf Gleis gebrachte Regionalpartnerschaft Sachsen-Bretagne.

Herzlichen Glückwunsch Sachsen-Bretagne zum heutigen 18. Geburtstag Eurer Partnerschaft!

Diesem Glückwunsch möchte ich heute einmal keine als kritisch aufgefassten politischen Kommentare beifügen, sondern mit eigenem frohen Herzen Ihnen allen eine frohe und besinnliche Adventszeit wünschen. Denn morgen ist der Erste Advent, also sage ich auf Französisch "Joyeux temps de l’Avent". Auf Bretonisch heißt Advent übrigens "azvent"!

Möge der von Doerte Eriskat aufgenommene Schnappschuss über den Dächern des “Dresdner Striezelmarktes”  Sie in die Ihnen gefällige Adventsstimmung versetzen.

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù
 
Ihr
Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Dresden Weihnachtsmarkt - Foto Doerte Eriskat

Foto: Doerte Eriskat

 

 

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,
Chère amie, cher ami,

Die französische Ministerin für Kultur und Kommunikation, Aurélie Filippetti und die Bevollmächtigte für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen, die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer, vereinbarten am 8. September 2013 in Saarbrücken „eine intensivere kulturelle Zusammenarbeit der deutschen Länder und französischen Regionen.“ Eine solche Willenskundgebung ist nicht neu und sie wird auch nicht die letzte dieser Art gewesen sein. Wir Akteure im Alltag der deutsch-französischen Wirklichkeiten erfahren immer wieder von Gemeinsamen Erklärungen oder Vereinbarungen, nach denen Deutschland und Frankreich sich dazu "verpflichten", sich dafür "einzusetzen", dass etwas "intensiviert" wird - und jeder von uns Mittlern hat mit solchen Versprechungen seine eigenen Erfahrungen machen können. Immerhin haben solche Erklärungen oder Vereinbarungen den Vorteil, dass wir uns in unseren alltäglichen Bemühungen immer wieder auf etwas "Amtliches" berufen können. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Was uns, im Osten Deutschlands, in diesem Fall aber stutzig macht, ist folgender Passus der o.g. Presseerklärung:

"Auch in der kulturellen Zusammenarbeit und kulturellen Bildung gibt es vielfältige Formen des Austausches und der Annäherung. Diese gilt es zu intensivieren, um nachhaltige Initiativen für die Zukunft anzustoßen. Gemäß der Erklärung des Deutsch-Französischen Ministerrates anlässlich des 50. Jahrestages des Elysée-Vertrags vom 22. Januar 2013, in der sich Deutschland und Frankreich dazu verpflichtet haben, sich dafür einzusetzen, dass die deutsch-französischen Grenzregionen noch näher zusammenrücken, schlagen die Bevollmächtigte Kramp-Karrenbauer und Ministerin Filippetti vor, innerhalb der Großregion – sozusagen als Pilotprojekt – neue Formen der Zusammenarbeit in der kulturellen Bildung zu erproben. Mit Blick auf die Vereinbarung zeigten sich beide zuversichtlich, dass die Großregion in diesem Bereich Maßstäbe in Europa setzen kann."

 

Wo bleiben in diesem Kommuniqué über eine „Vereinbarung für eine intensivere kulturelle Zusammenarbeit der deutschen Länder und französischen Regionen" jene Regionen und Bundesländer, die KEINE deutsch-französischen Grenzregionen sind? Selbst im Postkutschenzeitalter war der kulturelle Austausch kein Privileg von "Grenzregionen". Dies zeigt nicht zuletzt das in meinem letzten Rundbrief vom 6. September aufgeführte Beispiel des Königreichs Sachsen, dessen Neuphilologen deutschlandführend in der Zusammenarbeit mit französischen, englischen und amerikanischen Kollegen waren - und dies ganz ohne Telefon, Internet und Flugzeug. Und sie hatten zudem den tätigen Segen der Königin Carola von Sachsen, die französische Kriegsgefangene pflegte und sich zu ihrer Liebe zu Frankreich bekannte. Und heute? Wussten Sie, dass seit der Wiedervereinigung KEIN ostdeutscher Ministerpräsident (den Regierenden Bürgermeister von Berlin ausgenommen) das zwischen den Ländern rotierende Amt des Bevollmächtigten für die deutsch-französischen Kulturbeziehungen inne hatte? Diese Frage aktualisiere ich öffentlich seit Mitte der 1990er Jahre und erhielt immer wieder als Antwort hinter vorgehaltener Hand, dass die “Kollegen” an der deutsch-französischen Grenze dazu “besser aufgestellt” seien. Wie gut, dass sich unsere Kulturschaffenden wie schon im 19. Jahrhundert einen größeren Radius an Weltoffenheit haben bewahren können.

Wir würden uns daher freuen, wenn auch die im Osten Deutschlands sowie im Westen und Süden Frankreichs liegenden Länder und Regionen von einer solchen „Vereinbarung für eine intensivere kulturelle Zusammenarbeit der deutschen Länder und französischen Regionen“ stärker profitieren könnten. Und ich betone dies nicht zuletzt als langjähriges ostdeutsches Mitglied (1993 - 2009) im Deutsch-Französischen Kulturrat!

Einen bescheidenen Vorschlag hätte ich gleich, aus aktuellem Anlass, für die sächsisch-bretonische kulturelle Zusammenarbeit parat. Soeben feierte der deutsch-sorbische Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer Kito Lorenc mit einem Querschnitt seiner Lyrik seinen Einzug in die “Bibliothek Suhrkamp” (Band Nummer 1476). Der 1938 geborene Kito Lorenc, ein Enkel des sorbischen Schriftstellers Jakub Lorenc-Zalěski, lebt heute als freier Schriftsteller in Wuischke (Wuježk), einem Dorf im Osten des sächsischen Landkreises Bautzen, das zum offiziellen Siedlungsgebiet der Sorben gehört. 2008 wurde ihm die Ehrendoktorwürde  der Fakultät Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften der TU Dresden verliehen, 2009 erhielt er den Lessing-Preis des Freistaates Sachsen und 2012 den Petrarca-Preis der Hubert-Burda-Stiftung. Wie wäre es denn, wenn dieser in die “Bibliothek Suhrkamp” aufgenommene Gedichte-Band oder ein anderes Werk von Kito Lorenc eine französische Übersetzung erhielte und in einem Verlag in der Bretagne erschiene (z.B. Editions Ouest-France)? Oder angesichts der Renaissance der bretonischen Sprache gar mit bretonischen Nachdichtungen? Lorencs Freund Peter Handke hat dem Lyrik-Band ein einfühlsames Vorwort beigesteuert; seine Worte weisen jedem, der bretonische Lyrik liest, einen Zugang in die Seelenverwandtschaft beider literarischer Sphären, die der slawisch-deutschen Sorben und die der keltisch-französischen Bretonen -  beide geschichts- und naturverbundene Kinder ihrer Landschaft zum einen UND des Aneinanderstoßens in vielerlei Sinn zum anderen: 

 

“Kito Lorenc ist ein Kind, ein Kind im umfassenden Sinn, der Landschaft an den Ostgrenzen Deutschlands, der Lausitz, oder, wie sie sorbisch anders schön heißt, der Łužica (»ž« wie das »j« von Jeanne d’Arc), Kind der Łužica, so wie seine Poesie deren Kind ist, der Bäche, Felder, Hügelwälder, Moore und Heide dort zum einen, des Aneinanderstoßens – auch das in vielerlei Sinn – dreier Länder, eines deutschen, eines polnischen, eines tschechischen zum anderen.” (Peter Handke)

Apropos Bretagne und bretonische Sprache. Am 8. September, also gestern, gab es im Deutschlandfunk in der Sendereihe “Sonntagsspaziergang” (http://www.dradio.de/rss/podcast/sendungen/sonntagsspaziergang/index.xml) gleich zwei Sendungen über die Bretagne, die Sie sich beide als Podcast herunterladen können: Die Sendungen “Mehr als nur ein Boule-Spiel - Eine kulturhistorische Spurensuche in der Bretagne” (http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2013/09/08 dlf_20130908_1213_b74265f4.mp3) und “Am Strand von Saint-Marc-sur-Mer mit Monsieur Hulot - Andreas Stopp im Gespräch” (http://podcast-mp3.dradio.de/podcast/2013/09/08/dlf_20130908_1234_8b816a3e.mp3). Viel Spaß beim Reinhören!

Mit einem knappen Naturgedicht aus dem oben angezeigten, zum 75. Geburtstag in der “Bibliothek Suhrkamp” veröffentlichen Gedichtband von Kito Lorenc würde ich mich von Ihnen gerne verabschieden, jedoch dürfen wir das Gedicht aus Urheberrechtlichen Gründen hier nicht veröffentlichen. Schade.

Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù

Ihr Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V

 

 

 

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,
Chère amie, cher ami !
  
Dieser Rundbrief steht ganz im Zeichen der Erinnerung, was ursprünglich
nicht meine Absicht war, doch schon mit den ersten Zeilen fielen mir die
Worte der französischen Philosophin Simone Weil (1909-1943) ein: „Nun ist aber Vergangenheit etwas, was man nie wiederfindet, sobald man es einmal vollständig verloren hat. Durch seine Bemühungen gestaltet der Mensch teilweise seine eigene Zukunft, doch kann er sich keine Vergangenheit erfinden. Er kann sie nur bewahren. [...] Der Verlust der Vergangenheit kommt dem Verlust des Übernatürlichen gleich.“

Der Rest ergab sich dann von ganz alleine. Hier nun mein Spätsommer-Rundbrief, mit dem ich unsere Sommerpause beende.

Fortsetzung im Rundbrief

 

 

Dresden, den 23. Juli 2013

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.,
Chère amie, cher ami,

1) In wenigen Wochen jährt sich zum 200. Mal die Schlacht bei Dresden, die mit einem Sieg für den mit Sachsen verbündeten französischen Kaiser Napoleon I. über die gegnerischen Russen, Preußen und Österreicher endete. Mit 300.000 Soldaten handelte es sich um die größten militärischen Kampfhandlungen auf heutigem Dresdner Stadtgebiet. E.T.A. Hoffmann, der zu jener Zeit Kapellmeister in Dresden war, besuchte das Schlachtfeld zwei Tage später und schrieb tief erschüttert die antinapoleonische Flugschrift “Die Vision auf dem Schlachtfeld bei Dresden”. Der nur 16 Seiten lange Erstdruck von 1814 wurde mit einem 43 Seiten langen Nachwort von Hartmut Steinecke 1988 vom Belser Verlag (Stuttgart und Zürich) neu aufgelegt und wartet auf Ihre Lektüre!  - Zwar war Napoleon noch einmal siegreich, aber letztlich besiegelte dann im Oktober 1813 die "Völkerschlacht" (“la bataille des Nations”) bei Leipzig seinen Untergang (darauf kommen wir später zurück). Aus Anlass des 200. Jahrestags jener Schlacht bei Dresden am 26./27. August 1813 zeigt das Stadtmuseum Dresden seit dem 15. Juni noch bis zum 13. Oktober die sehr empfehlenswerte AusstellungVerlorener Sieg. Dresden 1813”. “Das Stadtmuseum Dresden nimmt  den 200. Jahrestag dieser Ereignisse in Sachsen und Dresden zum Anlass, um das Bild einer Epoche zu zeichnen, in der Sachsen mehrfach die Seiten wechselte und mal zu den Gewinnern, mal zu den Verlierern gehörte. Die Erhebung zum Königreich sowie die großflächige Dezimierung des sächsischen Territoriums bleiben die herausragenden Resultate der napoleonischen Epoche. In der Ausstellung wird in zehn Themenabschnitten das Leben der Dresdner Bevölkerung im Spannungsfeld zwischen Glanz und Elend präsentiert.” Zitat aus dem Ausstellungsprospekt.

Kostenfreie Kuratorenführungen mit Friedrich Reichert gibt es noch am 16. August und am 6. September jeweils 15.00 Uhr. Folgende Vorträge stehen noch auf der Agenda (alle Angaben ohne Gewähr):

  • 27. August , 18.00 Uhr: Die Schlacht bei Dresden am 26. Und 27. August 1813 mit zeitgenössische Bildern und Berichten  (Friedrich Rückert/Lutz Reike), Eintritt 3.- EUR
  • 29. August, 18.00 Uhr: Die geheimnisvolle Gräfin – Auguste Charlotte von Kielmannsegge(Lutz Reike), Eintritt 3.- EUR
  • 04. September, 16.30 Uhr, Lesung in der Bibliothek Landhauses: Eine große Zeit will große Herzen – Theodor Körner und die Lützower Jäger (Lutz Reike), Eintritt 3.- EUR
  • 19.September, 18.00 Uhr: Von Männern mit falschen Bärten – Skurrile Mode um 1800 (Lutz Reike), Eintritt 3,- EUR
  • 12. Oktober, 15.00 Uhr: Weit hübscher als alle Porträts ... Napoleon in Dresen (Lutz Reike), Eintritt 3,- EUR

Das Stadtmuseum Dresden finden Sie in der Willsdruffer Straße 2 (Eingang Landhausstraße), 01067 Dresden
Teil. 0351/ 488-7370 – www.stadtmuseum-dresden.de
Öffnungszeiten Di-So 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 19 Uhr, freitags ab 12 Uhr Eintritt frei, außer feiertags.

2) Ein SBG-Mitglied machte mich heute auf einen Artikel von Michael Stürmer über Frankreich in der Tageszeitung DIE WELT aufmerksam. Der Artikel spannt einen weiten Bogen von der Volksfront 1936 bis heute und erläutert darin das Dilemma der französischen Führungskräfte und damit auch ein aktuelles deutsch-französisches Dilemma. Ob Sie mit dem Verfasser übereinstimmen oder nicht, informativ ist der Text vom 23. Juli allemal. Sie können den Text  “’Volksfront’ – das Menetekel für Frankreichs Elite”  von Michael Stürmer im PDF-Format im Anhang lesen oder gleich online unter der Adresse:
http://www.welt.de/geschichte/article118286312/Volksfront-das-Menetekel-fuer-Frankreichs-Elite.html

3) Der Zufall wollte es, dass die aktuelle Rückblende von Michael Stürmer auf die französische Volksfront 1936 (“front populaire”) koinzidiert mit dem Nachruf, den ich soeben über den in diesem Jahr im Alter von 89 Jahren verstorbenen Politikwissenschaftler Professor Dr. Gilbert Ziebura geschrieben habe: Es war u.a. ein Artikel aus dem Jahre 1970 von Gilbert Ziebura über jene französische Volksfront, der meine studentische Beschäftigung mit Frankreich inspirierte, so dass ich schließlich eine Staatsexamensarbeit über dieses Thema schrieb. Nicht nur ich habe diesem bemerkenswerten Nestor der westdeutschen Frankreichforschung viel zu verdanken. Daher habe ich dieser Dankbarkeit in einem persönlichen, bislang unveröffentlichten Nachruf Ausdruck gegeben, dessen Lektüre ich gerne mit Ihnen teile, denn Gilbert Ziebura verdient es, dass gerade im 50. Jahrestag der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags an ihn erinnert wird.  

4) Noch kurz vor seinem Tod konnte Gilbert Ziebura das von unserer Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V. aus Anlass des 50. Jahrestags der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags veröffentlichte Buch “Ma France. Dresdner Studenten schreiben über Frankreich” in den Händen halten und uns dazu gratulieren, denn es entsprach seinem Wirken, weniger auf politische Sonntagsreden zu achten als vielmehr die Stimmen seiner Studenten und Schüler ernst zu nehmen. Daher freut es uns um so mehr, dass in der Zeitschrift “Francia” soeben eine Rezension der Bremer Professorin Dr. Helga Bories-Sawala über dieses Buch erschien, die auch ihn erfreut hätte. Sie finden die Rezension online unter der URL: <http://www.perspectivia.net/content/publikationen/francia/francia-recensio/2013-2/ZG/kolboom_bories-sawala>

Bonne lecture! Und weiterhin einen frohen Sommer!
Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù
 
Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V

Liebe Mitglieder und Freunde der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft
e.V.,
Cher ami, chère amie,

aus aktuellem Anlass lasse ich Ihnen heute einen Editorial-Text von Günther Nonnenmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), zum “deutsch-französischen Dilemma” zukommen. Unter dieser Adresse erhalten Sie direkten Zugang zu dem Online-Artikel, der in der FAZ am 4. Juli 2013 erschien:

http://www.faz.net/aktuell/politik/europaeische-union/derneue-kranke-mann-in-europa-das-deutsch-franzoesischedilemma-12270122.html

Und hier nochein Fernsehtipp: An unten stehenden Sendeterminen können Sie vom 10. bis zum 14. Juli auf dem TV-Sender „Phoenix“ den Film „De Gaulle und Adenauer. Eine deutsch-französische Freundschaft“ von Werner Biermann sehen.

SENDETERMIN
Mi. 10.07.13,21.00 Uhr
Do. 11.07.13, 01.45 Uhr
Do. 11.07.13, 08.15 Uhr
Do. 11.07.13, 15.45 Uhr
So. 14.07.13, 09.15 Uhr

http://www.phoenix.de/content/phoenix/die_sendungen/710956

Zugleich nutze ich die Gelegenheit, Ihnen unten stehend eine korrigierte und aktualisierte Aufstellung anregender (Internet-)Adressen zu den deutsch-französischen Beziehungen im 50. Jahr des Elysée-Vertrags (I) sowie  in der Bretagne (II. und III.) zu senden.

Ich bin selbst erstaunt über die Vielfalt des deutsch-französischen Netzwerks in der Bretagne, deren Anzahl ich sogar ich nach oben korrigieren musste. Ahnten Sie, dass es allein in den vier
Départements der Region Bretagne ungefähr 150 deutsch-französische Städtepartnerschaften (comités de jumelage) gibt? In dem außerhalb der Region Bretagne liegenden Département Loire-Atlantiquemit der historischen bretonischen Hauptstadt Nantes gibt es fast 50 deutschfranzösische Städtepartnerschaften! Und wussten Sie, dass es in der Bretagne eine “Fee der deutschen Sprache” gibt? Auf deren Webseite finden Sie übrigenseine Liste der comités de jumelage in der Region Bretagne(siehe unten).

Insgesamt gibt es in der Region Bretagne mehr als 300 Vereine, comités de jumelage und andere Gruppen, die sich den Beziehungen mit Deutschland widmen. Denken Sie auch daran, wenn Sie den luziden Artikel von Günther Nonnenmacher lesen.

Ich wünsche allen Mitgliedern und Freunden der Sächsisch-Bretonischen Beziehung e.V. einen erholsamen Sommer(urlaub)!

Und falls Sie in die Bretagne fahren, konsultieren Sie die deutschsprachige Webseite von „Tourisme Bretagne. Offizielle Website für Tourismus in der Bretagne“> http://www.bretagne-reisen.de/ -In französischer Sprache > http://www.tourismebretagne.com/ -Die leider ausgegliederte Bretagnekarte finden Sie unter der neuen Adresse >!http://fr.calameo.com/read/000001315469a6538f8f7 Eine interaktive Ferienkarte von der Bretagne finden Sie auch unter der Adresse > http://carte.bretagne.com/

À bientôt!
Bien cordialement / Herzliche Grüße / Gwellañ gourc´hemennoù
Ihr Ingo Kolboom
Präsident der Sächsisch-Bretonischen Gesellschaft e.V.

Und hier die Liste