Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Von der Bretagne und ihrer kräftig-deftigen Küche aus einheimischen Zutaten war an anderer Stelle bereits die Rede (siehe unseren Artikel „Kulinarisches aus der Bretagne 1“). Die Galettes, Buchweizenpfannkuchen mit pikanter Füllung, wurden bereits vorgestellt und es wurde auch erwähnt, dass sie zusammen mit den warm gegessenen Kuchenbroten zu den Besonderheiten der bretonischen Küche gehören. Damit nicht genug, stellen auch würzige Eintöpfe, jeweils ähnlich zusammengestellt aber „innerbretonisch“ nochmals regional variierend, einen weiteren kulinarischen Höhepunkt des keltischen Landstriches in Westfrankreich dar. Die beiden aufregendsten Beispiele – und wohl auch die über die Landesgrenzen hinaus bekannten – sind die bretonische Fischsuppe und ein Fleisch-Gemüse-Eintopf, der es – im wahrsten Sinn des Wortes – „in sich hat“

Die Bezeichnung „bretonische Bouillabaisse“ die mitunter in den Reiseführern für den typischen Fischeintopf benutzt wird, sollte man besser nicht verwenden! Vielleicht ist diese Spezialität aus Frankreichs Süden von der Mittelmeerküste ja bekannter, aber was Zubereitung und Inhalt betrifft, stammt der typisch bretonische Fischsuppentopf, genannt „Cotriade“, von der Atlantikküste und ist durchaus deftiger. Ihr Name, so wird berichtet, stammt nicht, wie mitunter vermutet, vom französischen Wort „Côte“ für Küste, sondern vom bretonischen Wort „Koater“, was in etwa „Kochkessel“ bedeutet. Und natürlich hat diese „Kesselsuppe“ ihre eigene Geschichte: Wenn früher die Fischer von erfolgreichem Fang heimkehrten, wurde die Ausbeute vorsortiert: Die „edlen“ und besonders gut aussehenden Fische wurden für den Verkauf auf dem Markt beiseite getan, die weniger edlen oder nicht lecker aussehenden Exemplare waren für den eigenen Verzehr bestimmt. Damit war schon klar, dass der jeweiliger Fang auch die „Mischung“ der verwendeten Fischarten bestimmte.

Wie alle bretonischen Eintöpfe ist auch dieser recht gehaltvoll, aber es hat bei der Zubereitung der „Cotriade“ jeder Küstenabschnitt seine Besonderheiten und „Geheimrezepte“. So schwören beispielsweise die Fischer aus dem Bereich des Golfes von Morbihan, jenem flachen „Fast-Binnenmeer“ südlich von Vannes, das den Gezeiten unterworfen und für seine reiche Inselwelt bekannt ist, darauf, dass der Geschmack der Cotriade davon abhängt, in welcher Reihenfolge die Zutaten gegart werden.

Für diese Version stelle man also bereit (für 6 Personen oder mehr):

Mindestens zweieinhalb Kilo Fisch in verschiedenen Sorten. Unsere Empfehlung: Meeraal, Seebarsch, Seelachs und Kabeljau jeweils 500 Gramm, dazu 300 – 400 Gramm Makrele und einige Sardinen. Garnelen oder Krabben sind willkommen, Muscheln und Fischabfälle – die oft bei der südfranzösischen Bouillabaisse eine Rolle spielen, werden sehr selten verwendet.

Weiterhin benötigt man 5 oder 6 große Zwiebeln, die man mit Nelken spickt, 500 Gramm Kartoffeln, zwei bis drei Tomaten, etwas Senf, etwas Essig, Pfeffer, Salz, Thymian, Lorbeerblätter, 125 Gramm gewürfelten Speck, zwei Knoblauchzehen und 1 – 2 Gläser Weißwein. Speck und Zwiebeln werden angebraten, gesalzen und gepfeffert, dann wird etwas Wasser aufgefüllt und Meeraal oder Kabeljau dazugegeben. Nach ca. 15 – 20 Minuten sollten die restlichen Fischsorten dazugegeben werden, zusammen mit den zwei zerdrückten Knoblauchzehen, den gewürfelten Tomaten und den Gewürzen, zuletzt Thymian und Weißwein und zum Abschluss dann Makrele und Sardinen als letzte. Weiterhin etwa 5 - 10 Minuten kochen, dann die Kartoffeln und die Fischstücke zerkleinern – in einem Mörser oder einer Kartoffelpresse, Multiboy etc.. Nur einige kleine Kartoffeln und ein Stück Makrele bleiben davon ausgenommen. Von der Brühe etwas abnehmen und die ganz gebliebenen Kartoffeln und Fischstücke in einer extra Schüssel servieren, ansonsten die zerkleinerten Zutaten wieder in die Brühe, umrühren und servieren…

Noch ein wenig komplizierter, zumal es länger kochen muss, ist die wohl berühmteste Spezialität, manchmal auch als „bretonisches Nationalgericht“ bezeichnet: „Kig-ha-Farz“. Es ist ein Fleisch- und Gemüseeintopf, in dem ein großer Gebäckkloß gegart wird. Für den Eintopf benötigt man zwei bis drei Sorten Fleisch (auch hier variieren die Zutaten je nach der bretonischen Region) und Bauchspeck oder geräucherte Wurst: am besten nimmt man jeweils 500 Gramm Rinderbrust, Schweineschulter und (geräucherten) Bauchspeck, man kann aber auch Ochsenschwanz, gepökeltes Schweinefleisch oder mageres Eisbein nehmen. Außerdem gehören in die Brühe ein Bund Suppengemüse, ein paar Möhren, drei bis vier Zwiebeln, ein Kopf Wirsingkohl und eine Stange Porree. Das Fleisch wird mit viel Wasser, einer Zwiebel und etwas Salz angesetzt und kocht etwa eine Stunde.

Währenddessen bereitet man den Teig für den „Farz“ zu: 500 Gramm Buchweizenmehl werden mit vier verschlagenen Eiern, etwa 200 Gramm zerlassener gesalzener Butter, zwei Esslöffeln Creme fraiche, einer großen Tasse Milch und einem Teelöffel Salz zu einem Teig gerührt und geknetet, in den man dann noch ein bis zwei Esslöffel Zucker und etwa 100 – 125 Gramm Rosinen einarbeitet.

Nachdem der Teig – während das Fleisch kocht – etwa eine Stunde geruht hat, wird er in einen nassen (etwas größeren, damit sich der Teig ausdehnen kann) Stoffbeutel gefüllt und dieser wird am Stiel eines quer über den Kochtopf gelegten Holzlöffels befestigt. Alles Gemüse wird kleingeschnitten und mit dem zerkleinerten Suppengrün plus Lorbeerblatt in die Brühe gegeben, nur der Wirsingkohl wird vorher blanchiert und nur geviertelt der Brühe zugefügt. Jetzt lässt man alles gut eineinhalb Stunden weiterkochen. Dann wird der Beutel aus der Brühe genommen – der gekochte Kloss muss abtropfen und ein paar Minuten ruhen. Währenddessen das Fleisch und den Wirsing kleinschneiden.

Der größte Teil der Brühe wird abgeschöpft. Dann schneidet man den Gebäckkloß aus dem Stoffbeutel in Scheiben – manche Köche rollen ihn auch mit einem Nudelholz bis er mürbe wird und zerbröseln ihn – und dann wird gegessen: Brühe, Kloß und Fleisch-Gemüse werden separat serviert, manche Köche verfeinern die Gemüse-Fleisch noch durch Übergießen mit etwas zerlassener gesalzener Butter… Jeder nimmt sich eine Scheibe Kloß, Gemüse und Fleisch und übergießt alles mit der separat servierten Brühe – na dann „debrit ervat“ oder „Bon appétit“ !

 

breton kueche

 

 

 

Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Da stehen wir nun im Sonnen- und Windstaat Deutschland. Windparks und off-shore-Anlagen, gewaltige Flächen voller Solar-Paneele sollen also künftig komplett die notwendige Energie für den immer weiter um sich greifenden Fortschritt in Deutschland liefern … Aber sind Sonne und Wind wirklich „alternativlos?“ In der Bretagne hatte man bereits seit den 1960er Jahren ein alternatives Energiekonzept in Angriff genommen, zugegebenermaßen auch dieses nicht unumstritten und nicht völlig folgenlos für die Umwelt, aber – obwohl bisher fast ein Einzelstück – sehr erfolgreich: das bis 2011 weltgrößte Gezeitenkraftwerk.

Die Rue Départementale D 168 zwischen St. Malo und Dinard führt über einen besonderen Damm, der wiederum die trichterartige, den Gezeiten unterworfene Flussmündung der Rance überquert. Insgesamt etwa 750 Meter lang, vereinigt das Bauwerk eine (betonierte) Staumauer, einen Staudamm, ein regulierendes Sperrwerk und einen Schleusenbau. Und wofür das alles? Mit diesem Absperrbauwerk konnte ein etwa 22 km² großer Stausee vom Meer abgetrennt werden – fast das gesamte Gebiet der Mündung des Flüsschens Rance, das während der Gezeiten mal einen tiefen, trichterförmigen See bildet, mal freifällt und nur eine schlammige Geländevertiefung fast ohne Wasser ist.

Die Gezeiten an der bretonischen Küste gehören mit gewaltigen Wasserstands-Unterschieden zu den stärksten in der Welt. Durchschnittlich 12 bis 14 Meter ist der Höhenunterschied zwischen dem tiefsten Wasserstand bei Ebbe und dem höchsten bei Flut – an vielen Punkten der Küsten Westfrankreichs, Englands, Schottlands oder Irlands können verwunderte „Landratten“ beobachten, wie die auflandige Flut in wenigen Minuten Meter um Meter der schönen Sandstrände „frisst“, wie eben noch in Strandnähe liegende Erhebungen zu wellenumspülten Inseln werden – übrigens auch an der deutschen Nordseeküste, denn dieses Randmeer des Atlantik weist fast überall große Gezeitenunterschiede auf.

In Frankreich gab es bereits in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts Pläne, die gewaltige Gezeitenenergie zu nutzen, aber die Versuche scheiterten an der Finanzierung, später kam der Krieg und die Pläne wurden auf Eis gelegt. Dann aber kam Schwung in die Sache: 1961 wurde mit dem Bau an einer der großen, den Gezeiten unterworfenen bretonischen Flussmündungen begonnen und 1966 wurde das Gezeitenkraftwerk von Präsident Charles de Gaulle eingeweiht. Ein Jahr später führte schon die Straße über den Sperrdamm und das Kraftwerk speiste Elektroenergie ins Netz ein. Bis 2011 war es das größte seiner Art, erst dann wurde seine Leistung von 240 MW von einem südkoreanischen Bau um 14 MW übertroffen. Doch in den 45 Jahren bis dahin war das bretonische Gezeitenkraftwerk das weltweit größte; es erzeugte pro Jahr etwa 500 GWh Strom – das ist immerhin ein Fünfhundertstel des gesamten französischen Strombedarfs.

Dabei ist das Prinzip der Gezeitenkraftwerke relativ einfach. Seit Jahrhunderten bekannt, gab es „Meeresmühlen“ in vielen Ländern an Atlantik und Nordsee, schon seit dem Mittelalter wurde die grundlegende Technik in der Bretagne genutzt: mindestens 70 sog. Getreidemühlen sind belegt, die Gezeitenkraft und Tidenhub nutzten. Die einzige davon noch erhaltene – wenn auch restauriert – ist die Moulin du Prat, ebenfalls an der Rance, einige Kilometer nördlich von Dinan.

Heute kommen hunderttausende Touristen jährlich, um sich ein Bild vom Gezeitenkraftwerk zu machen: Die technische Leistung ist beeindruckend: Jeden Tag können insgesamt 720 Millionen Kubikmeter Wasser durchströmen – je zweimal pro Tag das gesamte Fassungsvermögen des durch die Mauer abgesperrten Rance-Stausees von 180 Millionen Kubikmeter Wasser rein und raus, bis zu einem gewissen Grad durch die Sperrwerke regulierbar.

Während die Staumauer 24 Turbinen mit drehbaren Flügeln beherbergt, die sowohl bei hereindrückendem Flut- als auch bei ablaufendem Ebbe-Wasser funktionieren, hält sie gleichzeitig das bei geöffneten Wehren hereinströmende Wasser zurück, damit es so allmählich abfließt, dass es lange zur Stromerzeugung genutzt werden kann. Die kaum vorstellbare Menge von 15.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde strömt so in das und aus dem Rance-Becken. Eine 65 m lange, aber nur 10 m breite Schleusenanlage sorgt dafür, dass Boote und kleine Schiffe bei entsprechendem Wasserstand zwischen Meer und aufgestauter Flussmündung wechseln können - etwa 16.000 sind es pro Jahr – während pro Tag bis zu 35.000 Fahrzeuge die Straße über den Damm nutzen – nicht wenige halten auf einem der großen Parkplätze, um sich das Rance-Kraftwerk aus der Nähe anzusehen.

Natürlich haben die inzwischen fast fünfzig Jahre, in denen das Sperrwerk existiert, ökologische Spuren hinterlassen: Der Salzgehalt des Rance-Stausees ist geringer als der des Meeres geworden – Salzwasser-Tierarten haben sich zurückgezogen, Brack- und Meerwasserarten wurden verstärkt. Die Verlandung der Rance-Mündung ist relativ weit vorangeschritten, da Schlamm und Ablagerungen zurückgehalten werden und nicht ungehindert ins Meer abfließen können, und die Turbinen können zwar von kleineren Fischarten und sogar Tintenfischen passiert werden, aber nicht von großen Arten oder Seehunden, so dass diese heute nicht mehr ungehindert in und aus der Rance-Mündung wandern können.

Insgesamt aber könnte die Nutzung der gewaltigen Gezeitenkraft auch eine interessante alternative Energie sein – zumindest für all die Länder, deren Küsten über entsprechenden Tidenhub – den Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut – verfügen. Auch in Deutschland betragen die Höhenunterschiede zumeist noch mehr als zwei Meter, in der Elbemündung bei Hamburg staut sich die Flut durch den Trichtereffekt sogar durchschnittlich weit über drei Meter gegenüber der Ebbe auf, wobei an unseren Küsten die Flut stärkere Strömungen als die Ebbe aufweist. Sollte das nicht auch für Deutschland nutzbar sein?

 

Der Staudamm des Gezeitenkraftwerkes La Rance

larance

Foto: Dani 7C3,
Wikimedia Commons, the free media repository,http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Rance_tidal_power_plant.JPG

 

Luftbild des Gezeitenkraftwerks Rance mit den Städten Saint-Malo auf der rechten Seite der Mündung und Dinard links

larance2

Foto: Tswgb,
Wikimedia Commons, the free media repository, http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Barrage_de_la_Rance.jpg

 

 

 

 

 

Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Drei hervorstechende Merkmale, so sagen Kenner, zeichnen die bretonische Küche aus: sie ist einfach, deftig und sehr nahrhaft. Die Bretonen schöpfen aus dem, was die einzigartige Lage und landschaftliche Struktur der größten Halbinsel Frankreichs bieten: Fisch und Meeresfrüchte aus Atlantik und Nordsee und die Produkte einer anerkannt guten Landwirtschaft – Kartoffeln, Gemüse und Obst einerseits und hochwertiges Rindfleisch, würziges Lamm von den Salzweiden an der Küste und saftiges Hühnchen aus dem bretonischen Inland andrerseits sind die Zutaten zu aufregenden Gerichten, die einen Besuch in der Bretagne zumindest abrunden, wenn sie nicht mitunter sogar selbst der Grund für einen Besuch im äußersten Westen Frankreichs sein können…

Es gibt einige besondere kulinarische Spezialitäten der Bretagne, auch wenn manche in ihrer Beschreibung und der Rezeptur von Region zu Region und Ort zu Ort etwas abweichen können und auch wenn bei manchen davon verschiedene Orte den Anspruch auf Urheberschaft anmelden…

Über ein paar Dinge jedoch herrscht Einigkeit – erst recht bei den Besuchern des westfranzösischen Landstriches: bretonische Hausmannskost ist auf ihre Art raffiniert, schafft sie es doch, das Typische und Beste aus den landestypischen Produkten herauszuholen. Recht einig ist man sich auch darüber, was – neben recht schmackhaftem bretonischen Bier (außer traditionellen Sorten braut man in der Bretagne auch solches aus dunklem Getreide und sogar mit Meerwasser) – zu den Getränken der Region gehört: Cidre natürlich, der schwach alkoholhaltige, leicht moussierende Apfelwein, ähnlich dem aus der angrenzenden Normandie, und als Aperitif oder „hinterher“ natürlich auch der „Pommeau“ (eine Mischung aus Apfelsaft und Apfelbrand „Calvados“) und – wie könnte es bei einem Volk keltischer Herkunft anders sein – einer der guten einheimischen bretonischen Whiskies.

Beim Essen sind neben den deftigen bretonischen Eintöpfen, von denen in einer anderen Schilderung spezieller bretonischer Culinaria die Rede sein wird, besonders die typischen Gebäcksorten zu nennen. Flaggschiff der Küchen-Höhepunkte und fast überall als Hauptgericht, Vorspeise oder leichter Imbiss und in verschiedensten einfallsreichen Varianten zu bekommen, sind die „Galettes“. Abgesehen davon, dass man die Bezeichnung auch für Butterkekse verwendet, ist die typische bretonische Galette die rustikale Variante des französischen Crêpe. Dabei sollte man schon auf die feine Unterscheidung achten, die eben vor allem in der Bretagne ernst genommen wird: während Crêpes - die sozusagen als französisches Allgemeingut auch überall anders in Europa zu bekommen sind – mit Weizenmehl zubereitet und zumeist gesüßt oder mit süßer Füllung gegessen werden, sind Galettes anders: Zu ihrer Zubereitung verwendet man Buchweizenmehl und gesalzene Butter und man isst sie herzhaft, leicht gesalzen und mit verschiedenen pikanten Füllungen oder Aufstrichen.

Zu den weiteren oft verwendeten Gebäckarten gehören fladenbrotartige Butterkuchen, die meist warm und manchmal mit eingebackenen Pflaumen gegessen werden. Die Zubereitung ist nicht allzu kompliziert und deshalb können wir an dieser Stelle schon mal das eine oder andere Rezept preisgeben – auch die Zubereitung von Fisch- und Fleisch-Gemüse-Eintöpfen werden wir zu gegebener Zeit erläutern.

Als beliebte Mehlspeise, oft auch als Nachtisch, wird der bretonische Butterkuchen gegessen. Sein einheimischer Name Kouign-amann klingt wesentlich schwerer, als der Kuchen zuzubereiten ist. Als Vorbereitung benötigt man nur eine feuerfeste Form oder eine gut schließende Kuchenform (rund oder eckig) mit etwas größerer Fläche, da der Kuchen fladenähnlich niedrig wird. Als Zutaten benötigt man 500 Gramm Mehl, 250 Gramm gesalzene Butter, 250 Gramm Zucker, ein Eigelb, etwa 10 Gramm Backhefe/ ein Päckchen Trockenhefe und etwas lauwarmes Wasser. Aus der Hälfte des Mehls wird mit Hefe, einem Teelöffel Zucker und etwa 100 ml lauwarmem Wasser ein Teig bereitet, in den man den Rest des Mehls mit nochmal etwa 100 – 200 ml lauwarmem Wasser einarbeitet. Alles 10 min gut durchkneten und dann in einer Schüssel etwa eine Stunde aufgehen lassen, wobei der Teig sein Volumen in etwa verdoppelt. Dann den aufgegangenen Teig auf einer bemehlten Fläche zu einem großen Rechteck ausrollen, in die Mitte zwei Drittel der kalten, in Stückchen geschnittenen Butter verteilen und mit etwa 150 g Zucker bestreuen. Die Schmalseiten des ausgerollten Teigrechtecks überlappen in der Mitte zusammenlegen, die noch offenen Seiten festdrücken, damit die Butter nicht herausquillt und den Teig nochmals briefartig zusammenfalten. So alles nochmals für etwa 20 Minuten ruhen lassen (am besten im Kühlschrank). In der Zwischenzeit die Kuchenform/feuerfeste Form buttern und leicht bemehlen, anschließend den Kuchen hineintun. Er sollte leicht „überhängen“, denn die Ränder werden passend in die Kuchenform hineingedrückt. Jetzt den Teig mit Eigelb bestreichen, die restliche Butter schmelzen und auf dem Kuchen verteilen und alles mit dem Rest des Zuckers bestreuen. Im vorgeheizten Ofen etwa eine gute halbe Stunde backen und anschließend warm verzehren.

Wer es ohne Hefe mag, für den ist der Far Breton am besten geeignet: aus 200 Gramm Mehl, 100 Gramm gesalzener Butter, 100 Gramm Zucker, 5 Eiern, etwas Vanillezucker, 100 Gramm Trockenpflaumen und etwa einem ¾ Liter Milch entsteht ein beliebter, auch warm gegessener Nachtisch: Während man die Trockenpflaumen wässert, vermischt man Mehl und Eier und erhitzt unter ständigem Rühren Milch, Butter und Zucker zusammen. Nach Abkühlen der Masse wird sie mit der Mehl-Ei Mischung verrührt und der Vanillezucker untergemischt. Die flüssige Teigmasse gibt man in eine gebutterte feuerfeste oder gut schließende Kuchenform, legt die abgetropften Pflaumen obenauf (ersatzweise Rosinen) und lässt den Far im vorgeheizten Backofen etwa eine Stunde backen (muss gebräunt sein, notfalls etwas länger im Ofen lassen. Probieren Sie es – sehr lecker!

Die Galettes wiederum sind sicherlich eine der aufregendsten Küchenkreationen aus der Bretagne, die man noch dazu durch entsprechende Beläge/Füllungen herrlich variieren kann. Stellen Sie 500 Gramm Buchweizenmehl, 100 Gramm gesalzene Butter, zwei Eier und einen halben Liter Cidre bereit. Ins aufgeschüttete Buchweizenmehl drücken Sie eine Mulde, in die Sie die Eier schlagen. Mit dem Cidre und ein klein wenig Wasser gemischt, arbeiten Sie die Butter in den daraus bereitetenTeig ein, der dann einigermaßen dickflüssig sein sollte. Gönnen Sie dem Galette-Teig ein paar Stunden Ruhe, dann wird er ganz dünn in einer – möglichst gusseisernen – Crêpepfanne ausgebacken. Ganz professionell wäre es natürlich, eine Crêpière, eine eiserne Crêpeplatte zu benutzen, auf der der Teig mit einem „Rozell“, einem für die Crêpezubereitung typischen Teigrechen, besonders dünn verteilt wird.

Der fertige Buchweizenpfannkuchen kann nun pikant belegt werden. Favoriten sind Räucherlachs mit saurer Sahne und Schnittlauchröllchen, leicht angebratene Blutwurst mit gebratenen Zwiebeln, Kochschinken und würziger Käse – als Raspel oder Scheiben – oder auch angebratene Räucherschinkenwürfel mit Pilzen. Lecker sind sie alle – auch die süße Variante, bestrichen mit Kastaniencreme und verziert mit Schlagsahnetupfen – und serviert werden die runden Galettes immer, indem man ihre vier Seitenrundungen nach innen umschlägt, so dass in der Mitte die Füllung noch sichtbar bleibt… Bon appétit ! Oder wie die Bretonen sagen: Kalon digor !

breton kueche

 

 

Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Als vor 70 Jahren im Zweiten Weltkrieg die Alliierten an der Küste der Normandie eines der gewagtesten, größten und folgenreichsten Landungsmanöver der Menschheitsgeschichte unternahmen, begann auch die Zerstörung der alten Stadt Saint-Malo (bretonisch Sant-Maloù). Die starke bretonische Festung war es gewöhnt, jeglichem Widerstand zu trotzen. Oberst von Aulock, der deutsche Festungskommandant, weigerte sich trotz gewaltiger Übermacht zu kapitulieren und hielt selbst nach dreitägigem unablässigem Artilleriefeuer und sogar nach der Einnahme des größten Teiles der Stadt durch die Alliierten die Zitadelle von Saint-Malo. Als er sich schließlich ergeben musste, war die Stadt, vor allem die Altstadt, zu mehr als 85 Prozent zerstört, lediglich die gewaltigen Mauern um die Altstadt Intra-Muros hatten weitgehend standgehalten. Die durchaus als etwas spröde und stur geltenden Einwohner der Stadt mit den vielen Beinamen bemühten sich um raschen Wiederaufbau – sehr originalgetreu nach Rückerinnerungen und gestützt auf alte Baupläne und Vorkriegsabbildungen. Dadurch wurde das Saint-Malo von heute zu einer der größten Touristenattraktionen der Bretagne und einem der meistbesuchten Touristenorte Frankreichs.

Die Geschichte des „Korsarennestes“, der „Stadt aus Granit“ und der „Seefestung“ Saint-Malo reicht weit zurück. Seit Jahrtausenden den Gezeiten und atlantischen Herbststürmen ausgesetzt, sorgte nach der keltischen Besiedelung von „Aremorica“, dem „Land am Meer“, die strategisch günstige Lage der felsigen Halbinsel mit ihren vorgelagerten, bei Flut fast völlig überschwemmten Sandstränden dafür, dass hier schon früh Bewohner zu finden waren. Eingegliedert ins Römische Reich gehörten sie zu jenen nach und nach romanisierten Galliern, auf die während der Völkerwanderung die aus Großbritannien aussiedelnden Bretonen trafen und mit ihnen in der alten Stadt Aleth siedelten. Im 6. Jahrhundert begann der walisische Mönch Machutus, den die Gallo-Römer Maclovius und später „Maclou“ nannten, die Gegend zu christianisieren. In der französischen Sprache hat sich das zu „Malo“ abgeschliffen und wohl seit dem 12. Jahrhundert wurden Aleth und die danebenliegende christliche Siedlung Saint-Servan nur noch Saint-Malo genannt. Grund dafür könnte gewesen sein, dass die leicht zu befestigende Halbinsel besseren Schutz gegen die Überfälle der Normannen bot als die Umgebung und dass 1142 der Bischof auf die (Halb)Insel umsiedelte und dort eine Kathedrale errichten ließ.

Heute nimmt die stark befestigte Altstadt „Intra-Muros“ etwa ein Fünftel des gesamten Stadtterritoriums von fast 37 km² ein und wird wie zu Zeiten ihrer Gründung an drei Seiten vom Meer umspült. An einer Ecke der Stadtbefestigung erhebt sich das „Schloss“, eine gut befestigte Burg mit einem kleinen 1395 erbauten Donjon und einem großen Donjon (1424) wie die Wehr- oder Haupttürme alter Burgen genannt werden, die von königlicher und herzoglicher Macht zeugen. Von den Wachtürmen bietet sich ein eindrucksvoller Rundblick auf Schloss, Stadt, Küste und Meer und vom hohen Turm weht bis heute stolz die Flagge der Stadt Saint-Malo, die in ihren Farben geschickt die Zugehörigkeit zu Frankreich aber auch zur Bretagne zeigt: Der blaue Grund des Fahnentuchs wird von einem silbernen (weißen) Kreuz (das hatten alle Kriegshäfen unter Ludwig XIV.) in vier Rechtecke geteilt, dessen linkes oberes auf rotem Grund ein silbernes Hermelin mit goldenem Band zeigt – Symbol für den des Hermelins, der von den bretonischen Herzögen gegründet wurde. Stolz sind die „Malouins“, die Bewohner der Stadt, auch darauf, dass ihre Flagge immer ein wenig höher als die französische flattert: Ausdruck als Symbol der Unabhängigkeit, denn während der Hugenottenkriege erklärte sich die Stadt zur Republik. Das manifestiert sich auch in dem immer wieder zitierten Wahlspruch „Ni Français, ni Breton: Malouin suis!“ (Weder Franzose noch Bretone – Bürger von St-Malo bin ich!) und dem Stolz, Einwohner einer Korsarenstadt zu sein, denn die Flagge von Saint-Malo wurde auch von Korsaren wie René Duguay-Trouin oder Robert Surcouf gehisst.

Gleich neben dem Schloss befindet sich die „Porte Saint-Vincent“, der Haupteingang zur befestigten Altstadt. Beim Rundgang kann man fast um die ganze Stadt „Intra Muros“ auf den alten Mauern und Wallanlagen spazieren und zumindest im Norden, Westen und Süden herrliche Ausblicke aufs Meer, die „Smaragdküste“ und die vorgelagerten Inseln genießen, z.B. vom Tour Bidouane, der nordwestlichen Eckbastion, auf die Insel Grand Bé, die nur bei Ebbe zu erreichen ist und auf der sich das Grab des Schriftstellers François René de Chateaubriand befindet, neben Jacques Cartier, dem Entdecker Kanadas, der wohl bekannteste Sohn der Stadt.

Das Stadtzentrum – d.h. die Häuser und Straßentrakte zwischen den großzügigen Wehranlagen um die Kathedrale St-Vincent und die schmalen Marktplätze und –straßen – wirkt recht einheitlich, wenn auch etwas streng und grau. Grund dafür ist die Tatsache, dass alles einheitlich seit dem Ende des 16. Jahrhunderts aus Granit von den Chausey-Inseln erbaut wurde. Kein Geringerer als Frankreichs berühmtester Festungsbaumeister Vauban beauftragte und überwachte dann den Baumeister Siméon Garangeau mit und bei der Erweiterung und Vergrößerung und natürlich der Fortifikation der Stadt, bei der auch aufwendige Stadtpaläste reicher Reeder und Kapitäne entstanden.

Interessant sind auch das angeblich älteste Haus der Altstadt, errichtet im 15. Jahrhundert und gelegen am kleinen hofartigen Platz „Cour de la Houssaye“, ein Granitbau mit Turm, in dem sich angeblich Herzogin Anne de Bretagne aufhielt, als sie während des Burgbaues nach Saint-Malo kam, sowie die in der Nähe liegenden Gebäude des „Hauses der Schriftsteller“ und der größere Gebäudekomplex der Staatlichen Schule der Handelsmarine. Hier wird die große Tradition der alten Seefahrer- und Korsarenstadt fortgeführt: die Ausbildung von Kapitänen und nautischen Offizieren.

Geschrieben am 6. Juni 2014

 

wallanlage

 

Foto I. Kolboom (siehe auch http://www.fotosearch.fr/photos-images/saint-malo_3.html)

wallanlage2

 

Blick von den Wallanlagen auf Saint-Malo, Intra-Muros, im August 1944

 

 

 

 

Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Die Bretagne, Frankreichs größte Halbinsel, weist neben aufregenden Sehenswürdigkeiten einige Besonderheiten auf, die an ihre sehr eigene Geschichte erinnern. Der Fremde, der das erste Mal jenen herrlichen westfranzösischen Landstrich bereist, wundert sich zunächst einmal über die zweisprachigen Schilder und fragt sich, wieso denn unter dem Ortsnamen Morlaix „Montroulez“ steht und unter Concarneau „Konk Kerne“ und warum der Wegweiser zum Tourismusbüro sowohl nach „office de tourisme“, als auch nach „Ti an Douristed“ weist. Das lässt sich schnell aufklären, denn tatsächlich gehört die Bretagne zu den Gebieten in Westeuropa, wo sich neben der heutigen Amtssprache – das ist natürlich französisch – noch eine ältere Sprache keltischen Ursprungs findet. Das ist eigentlich nicht allzu ungewöhnlich, findet man doch in verwandten keltischen Gegenden ähnliches: wer in Dublin landet, muss erst einmal verkraften, dass am Flughafen ATHA CLIATH steht – denn so ist der einheimische Name der irischen Hauptstadt – und wenn man auf der Landstraße, von England kommend, Wales erreicht, wird man mit der Aufschrift „Croeso i Gymru“ begrüßt: Willkommen in Wales.

Brezhoneg“, Bretonisch, so nennen die Bewohner ihre durchaus altertümlich erhaltene Sprache, die zu den keltischen Sprachen gehört und besonders eng mit dem ansonsten in Wales (Großbritannien) gesprochenen Kymrischen verwandt ist und „Breizh“ ist die Bezeichnung für ihre Heimat Bretagne. Bis ins 16. Jahrhundert hinein verlief die Geschichte der Bretagne außerdem auch weitgehend unabhängig von der Frankreichs, dem der Landstrich erst durch Heiratspolitik zugefügt wurde (vgl. den Kaleidoskop-Artikel zu Herzogin Anne de Bretagne). So waren – und sind! – die Bretonen eigener Sprache, eigenem Geschichtsverständnis sowie eigenen Sitten und Traditionen verhaftet und sehen vieles noch bis heute „etwas anders“ als die französische Bevölkerung in anderen Teilen der „Grande Nation“.

Natürlich kam es nicht von ungefähr, dass sich hier, im Westen Frankreichs, diese keltische Sprache ausbreitete und erhielt. Ursprünglich war der französische Raum bis hin in die heutigen BeNeLux-Staaten keltisch – oder auch gälisch – besiedelt, ebenso wie die Inseln Britannien und Irland seit Jahrhunderten schon vor der Zeitwende. Als das Römische Reich in den „Gallischen Kriegen“ den größten Teil gälisch besiedelten Landes besetzte und zu römischen Kolonien machte, dann sogar nach Britannien vordrang und zwei Drittel des Territoriums und der keltischen Stämme unterwarf, da begann eine neue Ära sprachlicher Entwicklung. Diese vollzog sich im Zeichen der lateinischen Amtssprache und vor dem Hintergrund, dass man in den Kolonien schon bald das Leben in Rom nachzuahmen begann und vor allem die Oberschicht der unterworfenen Gebiete sich um Anpassung an Rom bemühte, um Anteil an der Herrschaft zu erlangen. Da im Gegensatz zur hochentwickelten antiken griechischen Kultur, die ihre Dominanz auch unter römischen Verhältnisse im östlichen Mittelmeer behaupten konnte, die keltischen Völker zur damaligen Zeit (noch) nicht über eine hochentwickelte Schriftkultur verfügten, ging die „Romanisierung“ hier recht schnell. Im Wesentlichen kam es bei den Völkern in den besetzten keltischen Provinzen zu einer sprachlichen und kulturellen Anpassung, wobei oft ältere eigene Sprach- und Kulturformen umgestaltet oder ganz aufgegeben wurden. Begünstigt durch stark zunehmende Verstädterung Westeuropas in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende, setzte sich das „Römische“ relativ schnell durch – zumal die Städte oft eine Nachahmung Roms im Kleinen darstellten. Die kolonialisierten Völker wurden durch Tempel, Theater und Arenen beeinflusst und glichen ihren Lebensstil dem der römischen Kultur an. Obwohl sich abseits der Städte vorrömische Traditionen und Sprachzustände meist länger hielten, waren am Ende der Römerherrschaft die meisten Keltenvölker romanisiert – auch die Gallier Frankreichs und Belgiens. Ihre jetzt benutzten Sprachen und Dialekte waren durch die Latinisierung zu „romanischen“ Sprachen und Dialekten geworden.

Lediglich an den Randgebieten des römischen Imperiums hatten sich keltische Sprachen erhalten. Als nach dem Abzug der Römer aus Britannien im 5. Jahrhundert n.Chr. – die bisherigen Besatzungs- und Garnisonstruppen wurden zur Verteidigung des Weströmischen Reiches in der Völkerwanderung gebraucht – die Kelten unterander um die Vorherrschaft zu kämpfen begannen, nutzten die völkerwandernden Germanenstämme der Angeln, Warnen, Jüten und Sachsen das entstandene Machtvakuum aus und begannen, Großbritannien zu besiedeln.

Als „Barbaren“ bezeichnet – nicht zuletzt, da sie im Gegensatz zu den Kelten das Christentum noch nicht angenommen hatten – , drangen sie immer weiter ins Keltenland vor. Nur kurz gelang es, sie zu stoppen – und der Fürst, dem man dies zuschrieb, genießt bis heute in allen keltischen Gebieten legendäre Verehrung: König Artus (oder „Arthur“). Die keltischen Stämme, zumeist weiterhin uneins, konnten dem germanischen Druck nicht standhalten und wurden in die westlichen und nördlichen Zipfel der Insel Großbritanniens zurückgedrängt. Hier wurde der Siedlungsraum immer kleiner, so dass vor allem von den Halbinseln Wales und Cornwall aus eine keltische Auswanderung begann, die in Abständen fast zweihundert Jahre andauerte. Ziel war auf dem Kontinent die wilde und damals noch wenig besiedelte Halbinsel „Aremorica“, das „Land am Meer“, das dadurch besiedelt wurde. Die bereits christianisierten Kelten schlossen sich zu einem Königreich zusammen, das erst 799 durch Frankenkönig Karl den Großen unterworfen wurde. Die Siedler hatten ihre keltische Sprache wieder mitgebracht – in jenes Gebiet, das nach Caesars Eroberung romanisiert worden war und in dem nun die „Gallo-Romanen“ Altfranzösisch sprachen.

Aufgrund der bis ins 16. Jahrhundert vorhandenen Autonomie der keltisch besiedelten Bretagne gegenüber Frankreich – denn auch nach dem fränkischen Intermezzo hatten sich das Königreich und später das Herzogtum Bretagne wieder unabhängig gemacht – hat sich die bretonische Sprache erhalten können – trotz ihres dramatischen Rückgangs auf Grund einer insbesondere von der Dritten Republik (1870-1940) betriebenen amtlichen Sprachpolitik zu Gunsten des Französischen. Die Mehrzahl derer, die heute noch „richtiges“ Bretonisch verstehen und sprechen, lebt in der geografischen Mitte der Bretagne, zwischen der „Rosa Granitküste“ im Norden und dem Hügelland der „Landes de Lanvaux“ im Süden.

Obwohl die Minderheiten-Sprache, eine der altertümlichsten des europäischen Kontinents, lange im Rückgang begriffen war, gibt es heute wieder mehr Möglichkeiten, die klangvolle uralte Keltensprache zu erlernen. Unter dem Eindruck, dass die Zahl der Sprecher immer mehr abnehmen und die Sprache eines Tages ganz aussterben könnte, hat der Regionalrat der Bretagne 2004 ein Förderprogramm beschlossen. Trotz begrenzter finanzieller Mittel gibt es jetzt die Möglichkeit für Schüler, die Sprache unter „Muttersprachenbedingungen“ zu erlernen und an den Universitäten Brest und Rennes wurden Lehrstühle für keltische Sprachen und speziell das Bretonische eingerichtet.

Der Pflege altbretonischer Sprache und Kultur hat sich auch der „Goursez Breizh“ verschrieben, dieBardenvereinigung aus der Bretagne . Sie versteht sich als in der früher weithin bekannten Tradition der altkeltischen Barden stehend, jener Dichter und Sänger des alten keltischen Kulturkreises, die mit Minstreln, Troubadouren und Minnesängern vergleichbar sind. Die heutige bretonische Vereinigung steht mit ihren Zielen, keltische Literatur, Kunst, Musik und die bretonische Sprache zu fördern und zu pflegen, eng in Kontakt mit dem Gorsedd of Bards aus Wales und dem Gorsedh Kernow aus Cornwall – jenen Sprachtraditionen, mit denen das Bretonische am engsten verwandt ist.

 

langue bretonnebreton allemand