Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Als vor 70 Jahren im Zweiten Weltkrieg die Alliierten an der Küste der Normandie eines der gewagtesten, größten und folgenreichsten Landungsmanöver der Menschheitsgeschichte unternahmen, begann auch die Zerstörung der alten Stadt Saint-Malo (bretonisch Sant-Maloù). Die starke bretonische Festung war es gewöhnt, jeglichem Widerstand zu trotzen. Oberst von Aulock, der deutsche Festungskommandant, weigerte sich trotz gewaltiger Übermacht zu kapitulieren und hielt selbst nach dreitägigem unablässigem Artilleriefeuer und sogar nach der Einnahme des größten Teiles der Stadt durch die Alliierten die Zitadelle von Saint-Malo. Als er sich schließlich ergeben musste, war die Stadt, vor allem die Altstadt, zu mehr als 85 Prozent zerstört, lediglich die gewaltigen Mauern um die Altstadt Intra-Muros hatten weitgehend standgehalten. Die durchaus als etwas spröde und stur geltenden Einwohner der Stadt mit den vielen Beinamen bemühten sich um raschen Wiederaufbau – sehr originalgetreu nach Rückerinnerungen und gestützt auf alte Baupläne und Vorkriegsabbildungen. Dadurch wurde das Saint-Malo von heute zu einer der größten Touristenattraktionen der Bretagne und einem der meistbesuchten Touristenorte Frankreichs.

Die Geschichte des „Korsarennestes“, der „Stadt aus Granit“ und der „Seefestung“ Saint-Malo reicht weit zurück. Seit Jahrtausenden den Gezeiten und atlantischen Herbststürmen ausgesetzt, sorgte nach der keltischen Besiedelung von „Aremorica“, dem „Land am Meer“, die strategisch günstige Lage der felsigen Halbinsel mit ihren vorgelagerten, bei Flut fast völlig überschwemmten Sandstränden dafür, dass hier schon früh Bewohner zu finden waren. Eingegliedert ins Römische Reich gehörten sie zu jenen nach und nach romanisierten Galliern, auf die während der Völkerwanderung die aus Großbritannien aussiedelnden Bretonen trafen und mit ihnen in der alten Stadt Aleth siedelten. Im 6. Jahrhundert begann der walisische Mönch Machutus, den die Gallo-Römer Maclovius und später „Maclou“ nannten, die Gegend zu christianisieren. In der französischen Sprache hat sich das zu „Malo“ abgeschliffen und wohl seit dem 12. Jahrhundert wurden Aleth und die danebenliegende christliche Siedlung Saint-Servan nur noch Saint-Malo genannt. Grund dafür könnte gewesen sein, dass die leicht zu befestigende Halbinsel besseren Schutz gegen die Überfälle der Normannen bot als die Umgebung und dass 1142 der Bischof auf die (Halb)Insel umsiedelte und dort eine Kathedrale errichten ließ.

Heute nimmt die stark befestigte Altstadt „Intra-Muros“ etwa ein Fünftel des gesamten Stadtterritoriums von fast 37 km² ein und wird wie zu Zeiten ihrer Gründung an drei Seiten vom Meer umspült. An einer Ecke der Stadtbefestigung erhebt sich das „Schloss“, eine gut befestigte Burg mit einem kleinen 1395 erbauten Donjon und einem großen Donjon (1424) wie die Wehr- oder Haupttürme alter Burgen genannt werden, die von königlicher und herzoglicher Macht zeugen. Von den Wachtürmen bietet sich ein eindrucksvoller Rundblick auf Schloss, Stadt, Küste und Meer und vom hohen Turm weht bis heute stolz die Flagge der Stadt Saint-Malo, die in ihren Farben geschickt die Zugehörigkeit zu Frankreich aber auch zur Bretagne zeigt: Der blaue Grund des Fahnentuchs wird von einem silbernen (weißen) Kreuz (das hatten alle Kriegshäfen unter Ludwig XIV.) in vier Rechtecke geteilt, dessen linkes oberes auf rotem Grund ein silbernes Hermelin mit goldenem Band zeigt – Symbol für den des Hermelins, der von den bretonischen Herzögen gegründet wurde. Stolz sind die „Malouins“, die Bewohner der Stadt, auch darauf, dass ihre Flagge immer ein wenig höher als die französische flattert: Ausdruck als Symbol der Unabhängigkeit, denn während der Hugenottenkriege erklärte sich die Stadt zur Republik. Das manifestiert sich auch in dem immer wieder zitierten Wahlspruch „Ni Français, ni Breton: Malouin suis!“ (Weder Franzose noch Bretone – Bürger von St-Malo bin ich!) und dem Stolz, Einwohner einer Korsarenstadt zu sein, denn die Flagge von Saint-Malo wurde auch von Korsaren wie René Duguay-Trouin oder Robert Surcouf gehisst.

Gleich neben dem Schloss befindet sich die „Porte Saint-Vincent“, der Haupteingang zur befestigten Altstadt. Beim Rundgang kann man fast um die ganze Stadt „Intra Muros“ auf den alten Mauern und Wallanlagen spazieren und zumindest im Norden, Westen und Süden herrliche Ausblicke aufs Meer, die „Smaragdküste“ und die vorgelagerten Inseln genießen, z.B. vom Tour Bidouane, der nordwestlichen Eckbastion, auf die Insel Grand Bé, die nur bei Ebbe zu erreichen ist und auf der sich das Grab des Schriftstellers François René de Chateaubriand befindet, neben Jacques Cartier, dem Entdecker Kanadas, der wohl bekannteste Sohn der Stadt.

Das Stadtzentrum – d.h. die Häuser und Straßentrakte zwischen den großzügigen Wehranlagen um die Kathedrale St-Vincent und die schmalen Marktplätze und –straßen – wirkt recht einheitlich, wenn auch etwas streng und grau. Grund dafür ist die Tatsache, dass alles einheitlich seit dem Ende des 16. Jahrhunderts aus Granit von den Chausey-Inseln erbaut wurde. Kein Geringerer als Frankreichs berühmtester Festungsbaumeister Vauban beauftragte und überwachte dann den Baumeister Siméon Garangeau mit und bei der Erweiterung und Vergrößerung und natürlich der Fortifikation der Stadt, bei der auch aufwendige Stadtpaläste reicher Reeder und Kapitäne entstanden.

Interessant sind auch das angeblich älteste Haus der Altstadt, errichtet im 15. Jahrhundert und gelegen am kleinen hofartigen Platz „Cour de la Houssaye“, ein Granitbau mit Turm, in dem sich angeblich Herzogin Anne de Bretagne aufhielt, als sie während des Burgbaues nach Saint-Malo kam, sowie die in der Nähe liegenden Gebäude des „Hauses der Schriftsteller“ und der größere Gebäudekomplex der Staatlichen Schule der Handelsmarine. Hier wird die große Tradition der alten Seefahrer- und Korsarenstadt fortgeführt: die Ausbildung von Kapitänen und nautischen Offizieren.

Geschrieben am 6. Juni 2014

 

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Foto I. Kolboom (siehe auch http://www.fotosearch.fr/photos-images/saint-malo_3.html)

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Blick von den Wallanlagen auf Saint-Malo, Intra-Muros, im August 1944

 

 

 

Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Drei hervorstechende Merkmale, so sagen Kenner, zeichnen die bretonische Küche aus: sie ist einfach, deftig und sehr nahrhaft. Die Bretonen schöpfen aus dem, was die einzigartige Lage und landschaftliche Struktur der größten Halbinsel Frankreichs bieten: Fisch und Meeresfrüchte aus Atlantik und Nordsee und die Produkte einer anerkannt guten Landwirtschaft – Kartoffeln, Gemüse und Obst einerseits und hochwertiges Rindfleisch, würziges Lamm von den Salzweiden an der Küste und saftiges Hühnchen aus dem bretonischen Inland andrerseits sind die Zutaten zu aufregenden Gerichten, die einen Besuch in der Bretagne zumindest abrunden, wenn sie nicht mitunter sogar selbst der Grund für einen Besuch im äußersten Westen Frankreichs sein können…

Es gibt einige besondere kulinarische Spezialitäten der Bretagne, auch wenn manche in ihrer Beschreibung und der Rezeptur von Region zu Region und Ort zu Ort etwas abweichen können und auch wenn bei manchen davon verschiedene Orte den Anspruch auf Urheberschaft anmelden…

Über ein paar Dinge jedoch herrscht Einigkeit – erst recht bei den Besuchern des westfranzösischen Landstriches: bretonische Hausmannskost ist auf ihre Art raffiniert, schafft sie es doch, das Typische und Beste aus den landestypischen Produkten herauszuholen. Recht einig ist man sich auch darüber, was – neben recht schmackhaftem bretonischen Bier (außer traditionellen Sorten braut man in der Bretagne auch solches aus dunklem Getreide und sogar mit Meerwasser) – zu den Getränken der Region gehört: Cidre natürlich, der schwach alkoholhaltige, leicht moussierende Apfelwein, ähnlich dem aus der angrenzenden Normandie, und als Aperitif oder „hinterher“ natürlich auch der „Pommeau“ (eine Mischung aus Apfelsaft und Apfelbrand „Calvados“) und – wie könnte es bei einem Volk keltischer Herkunft anders sein – einer der guten einheimischen bretonischen Whiskies.

Beim Essen sind neben den deftigen bretonischen Eintöpfen, von denen in einer anderen Schilderung spezieller bretonischer Culinaria die Rede sein wird, besonders die typischen Gebäcksorten zu nennen. Flaggschiff der Küchen-Höhepunkte und fast überall als Hauptgericht, Vorspeise oder leichter Imbiss und in verschiedensten einfallsreichen Varianten zu bekommen, sind die „Galettes“. Abgesehen davon, dass man die Bezeichnung auch für Butterkekse verwendet, ist die typische bretonische Galette die rustikale Variante des französischen Crêpe. Dabei sollte man schon auf die feine Unterscheidung achten, die eben vor allem in der Bretagne ernst genommen wird: während Crêpes - die sozusagen als französisches Allgemeingut auch überall anders in Europa zu bekommen sind – mit Weizenmehl zubereitet und zumeist gesüßt oder mit süßer Füllung gegessen werden, sind Galettes anders: Zu ihrer Zubereitung verwendet man Buchweizenmehl und gesalzene Butter und man isst sie herzhaft, leicht gesalzen und mit verschiedenen pikanten Füllungen oder Aufstrichen.

Zu den weiteren oft verwendeten Gebäckarten gehören fladenbrotartige Butterkuchen, die meist warm und manchmal mit eingebackenen Pflaumen gegessen werden. Die Zubereitung ist nicht allzu kompliziert und deshalb können wir an dieser Stelle schon mal das eine oder andere Rezept preisgeben – auch die Zubereitung von Fisch- und Fleisch-Gemüse-Eintöpfen werden wir zu gegebener Zeit erläutern.

Als beliebte Mehlspeise, oft auch als Nachtisch, wird der bretonische Butterkuchen gegessen. Sein einheimischer Name Kouign-amann klingt wesentlich schwerer, als der Kuchen zuzubereiten ist. Als Vorbereitung benötigt man nur eine feuerfeste Form oder eine gut schließende Kuchenform (rund oder eckig) mit etwas größerer Fläche, da der Kuchen fladenähnlich niedrig wird. Als Zutaten benötigt man 500 Gramm Mehl, 250 Gramm gesalzene Butter, 250 Gramm Zucker, ein Eigelb, etwa 10 Gramm Backhefe/ ein Päckchen Trockenhefe und etwas lauwarmes Wasser. Aus der Hälfte des Mehls wird mit Hefe, einem Teelöffel Zucker und etwa 100 ml lauwarmem Wasser ein Teig bereitet, in den man den Rest des Mehls mit nochmal etwa 100 – 200 ml lauwarmem Wasser einarbeitet. Alles 10 min gut durchkneten und dann in einer Schüssel etwa eine Stunde aufgehen lassen, wobei der Teig sein Volumen in etwa verdoppelt. Dann den aufgegangenen Teig auf einer bemehlten Fläche zu einem großen Rechteck ausrollen, in die Mitte zwei Drittel der kalten, in Stückchen geschnittenen Butter verteilen und mit etwa 150 g Zucker bestreuen. Die Schmalseiten des ausgerollten Teigrechtecks überlappen in der Mitte zusammenlegen, die noch offenen Seiten festdrücken, damit die Butter nicht herausquillt und den Teig nochmals briefartig zusammenfalten. So alles nochmals für etwa 20 Minuten ruhen lassen (am besten im Kühlschrank). In der Zwischenzeit die Kuchenform/feuerfeste Form buttern und leicht bemehlen, anschließend den Kuchen hineintun. Er sollte leicht „überhängen“, denn die Ränder werden passend in die Kuchenform hineingedrückt. Jetzt den Teig mit Eigelb bestreichen, die restliche Butter schmelzen und auf dem Kuchen verteilen und alles mit dem Rest des Zuckers bestreuen. Im vorgeheizten Ofen etwa eine gute halbe Stunde backen und anschließend warm verzehren.

Wer es ohne Hefe mag, für den ist der Far Breton am besten geeignet: aus 200 Gramm Mehl, 100 Gramm gesalzener Butter, 100 Gramm Zucker, 5 Eiern, etwas Vanillezucker, 100 Gramm Trockenpflaumen und etwa einem ¾ Liter Milch entsteht ein beliebter, auch warm gegessener Nachtisch: Während man die Trockenpflaumen wässert, vermischt man Mehl und Eier und erhitzt unter ständigem Rühren Milch, Butter und Zucker zusammen. Nach Abkühlen der Masse wird sie mit der Mehl-Ei Mischung verrührt und der Vanillezucker untergemischt. Die flüssige Teigmasse gibt man in eine gebutterte feuerfeste oder gut schließende Kuchenform, legt die abgetropften Pflaumen obenauf (ersatzweise Rosinen) und lässt den Far im vorgeheizten Backofen etwa eine Stunde backen (muss gebräunt sein, notfalls etwas länger im Ofen lassen. Probieren Sie es – sehr lecker!

Die Galettes wiederum sind sicherlich eine der aufregendsten Küchenkreationen aus der Bretagne, die man noch dazu durch entsprechende Beläge/Füllungen herrlich variieren kann. Stellen Sie 500 Gramm Buchweizenmehl, 100 Gramm gesalzene Butter, zwei Eier und einen halben Liter Cidre bereit. Ins aufgeschüttete Buchweizenmehl drücken Sie eine Mulde, in die Sie die Eier schlagen. Mit dem Cidre und ein klein wenig Wasser gemischt, arbeiten Sie die Butter in den daraus bereitetenTeig ein, der dann einigermaßen dickflüssig sein sollte. Gönnen Sie dem Galette-Teig ein paar Stunden Ruhe, dann wird er ganz dünn in einer – möglichst gusseisernen – Crêpepfanne ausgebacken. Ganz professionell wäre es natürlich, eine Crêpière, eine eiserne Crêpeplatte zu benutzen, auf der der Teig mit einem „Rozell“, einem für die Crêpezubereitung typischen Teigrechen, besonders dünn verteilt wird.

Der fertige Buchweizenpfannkuchen kann nun pikant belegt werden. Favoriten sind Räucherlachs mit saurer Sahne und Schnittlauchröllchen, leicht angebratene Blutwurst mit gebratenen Zwiebeln, Kochschinken und würziger Käse – als Raspel oder Scheiben – oder auch angebratene Räucherschinkenwürfel mit Pilzen. Lecker sind sie alle – auch die süße Variante, bestrichen mit Kastaniencreme und verziert mit Schlagsahnetupfen – und serviert werden die runden Galettes immer, indem man ihre vier Seitenrundungen nach innen umschlägt, so dass in der Mitte die Füllung noch sichtbar bleibt… Bon appétit ! Oder wie die Bretonen sagen: Kalon digor !

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Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Die Bretagne ist voll von Legenden. Manche davon nehmen den Stoff keltischer Sagen von den britischen Inseln auf, andere sind wohl erst nach Einwanderung der Bretonen im alten „Aremorica“ entstanden. Manche der Legenden verschiedenster Völker scheinen beinahe so etwas wie „gesamteuropäisches“ Erbgut zu sein, denn wenn man sie hört, dann bemerkt man sofort Parallelen zu Sagen, die man auch aus anderen Regionen oder der eigenen Heimat kennt – die Geschichte von versunkenen Städten etwa, die in Katastrophenberichten und ihren mythischen Ausschmückungen bei Griechen und Römern ebenso zu finden sind wie bei Kelten, Slawen und Germanen. Oder die Geschichten über Meerjungfrauen, Sirenen und Verwunschene, die beispielsweise Seeleute ins Verderben locken. Wem fiele da nicht die Loreleisage ein, die 1801 durch die Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ des damals 23jährigen Romantikers Clemens Brentano in die deutsche Literatur eingeführt und durch Heinrich Heines „Lied von der Loreley“ seit 1824 weithin bekannt wurde.

Um eine solche Frau geht es auch in der bekannten bretonischen Legende von der versunkenen Stadt Ys, die man am allerbesten versteht, wenn man sich den geheimnisvollen Wassern der Bucht von Douarnenez am nördlichen Rand der bretonischen Halbinsel Cornouaille (Kernev) nähert.

Auch hier ist besagte Frau in den meisten Varianten der Geschichte blond und natürlich verführerisch. Sie hieß Dahut und war die Tochter des guten Königs Gradlon, der die Stadt Ys zur Hauptstadt der Cornouaille gemacht hatte. Eine große Gefahr für die Stadt war das Meer, das sich gewaltig auftürmen konnte. Gradlon hatte mit Dämmen und Schleusen seine Stadt schützen lassen und nur mit seinem goldenen Schlüssel ließen sich die Schleusentore öffnen. Die Bewohner der Stadt, inzwischen an die sichere Lebensweise gewöhnt, ließen Hochmut und Verschwendungssucht freien Lauf und der moralische Verfall forderte die Mächte der Finsternis geradezu heraus. Ein wenig erinnert diese Geschichte auch an den Untergang der sagenhaften Ostseestadt Vineta.

Auch König Gradlons Tochter Dahut gab sich den Ausschweifungen des Sündenbabels Ys hin und war durchaus empfänglich für die Annäherung eines verführerischen jungen Mannes, der ihr zunehmend den Hof machte. Ihr Vater wusste davon nichts und selbst als der Verehrer von Dahut verlangte, sie solle ihm den goldenen Schlüssel ihres Vaters als Liebesbeweis beschaffen, merkte sie nicht, dass es der Teufel höchstpersönlich in einer seiner Verkleidungen war, mit dem sie sich eingelassen hatte. Tatsächlich stahl sie ihrem Vater im Schlaf den goldenen Schleusenschlüssel und als König Gradlon erwachte, war es zu spät – der Teufel hatte die Schutzdeiche geöffnet und eine gewaltige Flut verschlang die Stadt. Gerade noch konnte er zu Pferd vor den heranrollenden Wogen fliehen und seine Tochter hinter sich aufs Reittier ziehen. Doch das Wasser kam näher und plötzlich befahl ihm eine Stimme aus dem Himmel, er solle die Teufelsbuhle dem Wasser überlassen und sich selbst retten. So geschah es, dass sich Gradlon retten konnte, aber die Stadt von den Fluten verschlungen wurde, die sich erst zurückzogen, als sie ihr Opfer, Königstochter Dahut bekommen hatten.

Während Gradlon in Frömmigkeit und mit dem Heiligen Corentinus als Berater seine neue Hauptstadt Quimper (Kemper), bis heute Hauptort der Cornouaille, aufbaute, wurde seine Tochter in die Nixe Morgane verwandelt, die noch heute die Seeleute, die sie in all ihrer Schönheit erblicken, auf den Meeresgrund locken soll. Und ebenfalls wie bei Vineta soll unter bestimmten Umständen das warnende Glockengeläut der Türme des versunkenen Ys aus der Bucht von Douarnenez zu hören sein…

Die bretonische Legende hat Anregungen für zahlreiche Adaptionen in der Kunst gegeben, vor allem in der Musikgeschichte und der Literatur. Der Komponist Édouard Lalo schuf zur Legende die erfolgreiche Oper „Le Roi d’Ys“, die 1888 in der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt wurde. Claude Debussy wurde zu seinem Prélude „La cathédrale engloutie“ inspiriert und eine weitere Oper mit dem Sagenstoff als Grundlage entstand 1947 mit dem Werk „La magicienne de la mer“ des französischen Komponisten Paul Le Flem. In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts verwendete der Science-fiction-Autor Poul Anderson die Geschichten um Gradlon und Dahut für einen Romanzyklus „The King of Ys“ und bis heute wirkt die Legende nach in Computerspielen, Comics und Liebesgeschichten.

Spannend ist allemal ein Besuch in der Gegend, in der die bretonische Sage geschehen sein soll: in der geheimnisvollen Bucht von Douarnenez – obwohl mancher Erzähler die Stadt Ys an andere Stellen der bretonischen Halbinsel Cornouaille verlegen will, etwa in die für ihre starke Strömung berüchtigte „Baie des Tréspassés“ (=Bucht der Hingeschiedenen) oder in den Süden der Cornouaille, in die Nähe des Landvorsprunges von Penmarc’h. Meist jedoch ist man sich einig, dass die Bucht von Douarnenez der Schauplatz der Tragödie von Ys gewesen sein muss, zumal eine geheimnisvolle Insel, nur etwa 11 Hektar groß (etwas mehr als ein Zehntel Quadratkilometer) nur etwa 300 Meter vom ehemals für Sardinenfischerei bekannten Hafen von Douarnenez entfernt liegt.

Die heute dem Amt für Küstenschutz unterstehende „Île Tristan“ kann nur unter bestimmten Voraussetzungen besichtigt werden. Der Teufel habe da gehaust, raunt man sich zu. Eine Person ist auf jeden Fall mit der Geschichte der Insel verbunden: in den auf das schreckliche Pariser Blutbad an den französischen Protestanden in der „Bartholomäusnacht“ 1572 folgenden Hugenottenkriegen verwüsteten auch zahlreiche Räuberbanden das Land, von denen die des Bandenführers Guy Éder de la Fontenelle eine der schlimmsten war. Diesem bot gerade diese Île Tristan Unterschlupf, doch nach dem Toleranzedikt von Nantes von 1598, in dem König Henri IV. den Hugenotten Glaubensfreiheit zusicherte, ergab sich de la Fontenelle unter der Bedingung, die Insel weiter behalten und regieren zu dürfen. Das wurde ihm auch gewährt, doch kurz darauf ließ er sich in eine Verschwörung verwickeln und wurde 1602 auf dem Pariser Place de Grève auf grausame Art hingerichtet – er wurde gerädert!

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Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

Die Bretagne, Frankreichs größte Halbinsel, weist neben aufregenden Sehenswürdigkeiten einige Besonderheiten auf, die an ihre sehr eigene Geschichte erinnern. Der Fremde, der das erste Mal jenen herrlichen westfranzösischen Landstrich bereist, wundert sich zunächst einmal über die zweisprachigen Schilder und fragt sich, wieso denn unter dem Ortsnamen Morlaix „Montroulez“ steht und unter Concarneau „Konk Kerne“ und warum der Wegweiser zum Tourismusbüro sowohl nach „office de tourisme“, als auch nach „Ti an Douristed“ weist. Das lässt sich schnell aufklären, denn tatsächlich gehört die Bretagne zu den Gebieten in Westeuropa, wo sich neben der heutigen Amtssprache – das ist natürlich französisch – noch eine ältere Sprache keltischen Ursprungs findet. Das ist eigentlich nicht allzu ungewöhnlich, findet man doch in verwandten keltischen Gegenden ähnliches: wer in Dublin landet, muss erst einmal verkraften, dass am Flughafen ATHA CLIATH steht – denn so ist der einheimische Name der irischen Hauptstadt – und wenn man auf der Landstraße, von England kommend, Wales erreicht, wird man mit der Aufschrift „Croeso i Gymru“ begrüßt: Willkommen in Wales.

Brezhoneg“, Bretonisch, so nennen die Bewohner ihre durchaus altertümlich erhaltene Sprache, die zu den keltischen Sprachen gehört und besonders eng mit dem ansonsten in Wales (Großbritannien) gesprochenen Kymrischen verwandt ist und „Breizh“ ist die Bezeichnung für ihre Heimat Bretagne. Bis ins 16. Jahrhundert hinein verlief die Geschichte der Bretagne außerdem auch weitgehend unabhängig von der Frankreichs, dem der Landstrich erst durch Heiratspolitik zugefügt wurde (vgl. den Kaleidoskop-Artikel zu Herzogin Anne de Bretagne). So waren – und sind! – die Bretonen eigener Sprache, eigenem Geschichtsverständnis sowie eigenen Sitten und Traditionen verhaftet und sehen vieles noch bis heute „etwas anders“ als die französische Bevölkerung in anderen Teilen der „Grande Nation“.

Natürlich kam es nicht von ungefähr, dass sich hier, im Westen Frankreichs, diese keltische Sprache ausbreitete und erhielt. Ursprünglich war der französische Raum bis hin in die heutigen BeNeLux-Staaten keltisch – oder auch gälisch – besiedelt, ebenso wie die Inseln Britannien und Irland seit Jahrhunderten schon vor der Zeitwende. Als das Römische Reich in den „Gallischen Kriegen“ den größten Teil gälisch besiedelten Landes besetzte und zu römischen Kolonien machte, dann sogar nach Britannien vordrang und zwei Drittel des Territoriums und der keltischen Stämme unterwarf, da begann eine neue Ära sprachlicher Entwicklung. Diese vollzog sich im Zeichen der lateinischen Amtssprache und vor dem Hintergrund, dass man in den Kolonien schon bald das Leben in Rom nachzuahmen begann und vor allem die Oberschicht der unterworfenen Gebiete sich um Anpassung an Rom bemühte, um Anteil an der Herrschaft zu erlangen. Da im Gegensatz zur hochentwickelten antiken griechischen Kultur, die ihre Dominanz auch unter römischen Verhältnisse im östlichen Mittelmeer behaupten konnte, die keltischen Völker zur damaligen Zeit (noch) nicht über eine hochentwickelte Schriftkultur verfügten, ging die „Romanisierung“ hier recht schnell. Im Wesentlichen kam es bei den Völkern in den besetzten keltischen Provinzen zu einer sprachlichen und kulturellen Anpassung, wobei oft ältere eigene Sprach- und Kulturformen umgestaltet oder ganz aufgegeben wurden. Begünstigt durch stark zunehmende Verstädterung Westeuropas in den ersten Jahrhunderten nach der Zeitenwende, setzte sich das „Römische“ relativ schnell durch – zumal die Städte oft eine Nachahmung Roms im Kleinen darstellten. Die kolonialisierten Völker wurden durch Tempel, Theater und Arenen beeinflusst und glichen ihren Lebensstil dem der römischen Kultur an. Obwohl sich abseits der Städte vorrömische Traditionen und Sprachzustände meist länger hielten, waren am Ende der Römerherrschaft die meisten Keltenvölker romanisiert – auch die Gallier Frankreichs und Belgiens. Ihre jetzt benutzten Sprachen und Dialekte waren durch die Latinisierung zu „romanischen“ Sprachen und Dialekten geworden.

Lediglich an den Randgebieten des römischen Imperiums hatten sich keltische Sprachen erhalten. Als nach dem Abzug der Römer aus Britannien im 5. Jahrhundert n.Chr. – die bisherigen Besatzungs- und Garnisonstruppen wurden zur Verteidigung des Weströmischen Reiches in der Völkerwanderung gebraucht – die Kelten unterander um die Vorherrschaft zu kämpfen begannen, nutzten die völkerwandernden Germanenstämme der Angeln, Warnen, Jüten und Sachsen das entstandene Machtvakuum aus und begannen, Großbritannien zu besiedeln.

Als „Barbaren“ bezeichnet – nicht zuletzt, da sie im Gegensatz zu den Kelten das Christentum noch nicht angenommen hatten – , drangen sie immer weiter ins Keltenland vor. Nur kurz gelang es, sie zu stoppen – und der Fürst, dem man dies zuschrieb, genießt bis heute in allen keltischen Gebieten legendäre Verehrung: König Artus (oder „Arthur“). Die keltischen Stämme, zumeist weiterhin uneins, konnten dem germanischen Druck nicht standhalten und wurden in die westlichen und nördlichen Zipfel der Insel Großbritanniens zurückgedrängt. Hier wurde der Siedlungsraum immer kleiner, so dass vor allem von den Halbinseln Wales und Cornwall aus eine keltische Auswanderung begann, die in Abständen fast zweihundert Jahre andauerte. Ziel war auf dem Kontinent die wilde und damals noch wenig besiedelte Halbinsel „Aremorica“, das „Land am Meer“, das dadurch besiedelt wurde. Die bereits christianisierten Kelten schlossen sich zu einem Königreich zusammen, das erst 799 durch Frankenkönig Karl den Großen unterworfen wurde. Die Siedler hatten ihre keltische Sprache wieder mitgebracht – in jenes Gebiet, das nach Caesars Eroberung romanisiert worden war und in dem nun die „Gallo-Romanen“ Altfranzösisch sprachen.

Aufgrund der bis ins 16. Jahrhundert vorhandenen Autonomie der keltisch besiedelten Bretagne gegenüber Frankreich – denn auch nach dem fränkischen Intermezzo hatten sich das Königreich und später das Herzogtum Bretagne wieder unabhängig gemacht – hat sich die bretonische Sprache erhalten können – trotz ihres dramatischen Rückgangs auf Grund einer insbesondere von der Dritten Republik (1870-1940) betriebenen amtlichen Sprachpolitik zu Gunsten des Französischen. Die Mehrzahl derer, die heute noch „richtiges“ Bretonisch verstehen und sprechen, lebt in der geografischen Mitte der Bretagne, zwischen der „Rosa Granitküste“ im Norden und dem Hügelland der „Landes de Lanvaux“ im Süden.

Obwohl die Minderheiten-Sprache, eine der altertümlichsten des europäischen Kontinents, lange im Rückgang begriffen war, gibt es heute wieder mehr Möglichkeiten, die klangvolle uralte Keltensprache zu erlernen. Unter dem Eindruck, dass die Zahl der Sprecher immer mehr abnehmen und die Sprache eines Tages ganz aussterben könnte, hat der Regionalrat der Bretagne 2004 ein Förderprogramm beschlossen. Trotz begrenzter finanzieller Mittel gibt es jetzt die Möglichkeit für Schüler, die Sprache unter „Muttersprachenbedingungen“ zu erlernen und an den Universitäten Brest und Rennes wurden Lehrstühle für keltische Sprachen und speziell das Bretonische eingerichtet.

Der Pflege altbretonischer Sprache und Kultur hat sich auch der „Goursez Breizh“ verschrieben, dieBardenvereinigung aus der Bretagne . Sie versteht sich als in der früher weithin bekannten Tradition der altkeltischen Barden stehend, jener Dichter und Sänger des alten keltischen Kulturkreises, die mit Minstreln, Troubadouren und Minnesängern vergleichbar sind. Die heutige bretonische Vereinigung steht mit ihren Zielen, keltische Literatur, Kunst, Musik und die bretonische Sprache zu fördern und zu pflegen, eng in Kontakt mit dem Gorsedd of Bards aus Wales und dem Gorsedh Kernow aus Cornwall – jenen Sprachtraditionen, mit denen das Bretonische am engsten verwandt ist.

 

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Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

1982 hatte Monsieur Ceyrac, Bürgermeister des malerischen Dörfchens Collonges-la-Rouge am Rande des französischen Zentralmassivs, eine zündende Idee, um den Tourismus für die kleinen Gemeinden Frankreichs mit reichem historischen Erbe anzukurbeln - er gründete die Initiative „Les plus beaux villages de France“ (Die schönsten Dörfer Frankreichs), in der sich originell erhaltene Orte um die Auszeichnung mit diesem Prädikat bewerben konnten. Der Erfolg der Idee war gewaltig – während sich noch im Gründungsjahr 66 Gemeinden anschlossen, geht die Zahl der Bewerber um die Auszeichnung mit dem inzwischen heiß begehrten Label heute in die Tausende. Derzeit tragen 152 Orte in 21 Regionen Frankreichs den Titel als Auszeichnung, darunter natürlich auch einige besonders hübsche Gemeinden in der Bretagne. Eines der am meisten von Touristen besuchten Dörfer ist Locronan (bretonisch Lokorn), knapp 20 km nordöstlich von Quimper (Kemper), der Hauptstadt der Cornouaille (Kernev) gelegen.

Vielen Besuchern könnte der malerische Ort dabei seltsam bekannt vorkommen, war er doch auf Grund seines hervorragenden Erhaltungszustandes in Flair und Ambiente des 16. Jahrhunderts Drehort und Schauplatz von über 30 Filmen französischer und ausländischer Produktion: den Anfang machte eine deutsch-französische Ko-Produktion mit dem Vierteiler „Die Schatzinsel“, gedreht 1966 nach dem Roman von Robert Louis Stevenson. Später, in den Achtzigern, drehte man die ZDF-Fernsehreise „Silas“ in und um Locronan. Höhepunkte der Filmgeschichte aber waren gewiss 1979 Roman Polanskis Verfilmung „Tess“, in der er den Stoff des Romans „Tess of the d'Urbervilles“ von Thomas Hardy aus dem Jahr 1891 aufnahm, und die bekannte Musketier-Trilogie des Regisseurs Richard Lester (1973, 1974 und 1989) mit einer Starbesetzung durch Michael York, Oliver Reed, Richard Chamberlain, Charlton Heston, Geraldine Chaplin, Faye Dunaway und Raquel Welsh.

Aber auch diejenigen, denen Historienfilme eher egal sind, finden an dem wundervollen bretonischen Ort Gefallen – auch wenn zunehmende Touristenströme nicht immer von Vorteil sind. Der heilige Ronan, ein irischer Mönch, errichtete hier an einem Hügel in der Nähe eines alten Quellheiligtums schon im 5. Jahrhundert n.Chr. seine Einsiedelei, von der aus er missionierte und zu den immer häufiger herbeikommenden Bewohnern der Umgebung predigte. Bis heute hat der Hügel seinen Ruf der Heiligkeit kaum eingebüßt: der 289 Meter hohe Gipfel, von dem man eine weite Sicht auf die Umgebung und die Bucht von Douarnenez hat, in der die sagenhafte versunkene Stadt Ys liegen soll, wird von einer Kapelle mit hübschen Glasfenstern gekrönt, die wiederum Ziel einer der berühmtesten Wallfahrten der Bretagne ist.

In der Bretagne normalerweise „Pardon“ genannt, trägt die Wallfahrt hier in Locronan den Titel „Troménie“. Jedes Jahr am zweiten Julisonntag geht die Gemeinde den gleichen Weg, den damals der heilige Ronan jeden Morgen barfuß und mit nüchternem Magen gegangen sein soll. Zu einem religiösen Großereignis wird diese Aktion alle sechs Jahre, das nächste Mal 2019: Dann findet am 2. und 3. Julisonntag die „Große Troménie“ statt: ein Wallfahrts-Umgang, an dem viele Pfarrgemeinden teilnehmen. An zwölf Orten machen die Wallfahrer eine Pause und jede Gemeinde stellt ihre Heiligendarstellungen und Reliquien aus. Historischer Hintergrund der religiösen Veranstaltung ist die Besonderheit, dass im 11. Jahrhundert die ehemalige Benediktiner-Priorei, an deren Grenze die Wallfahrt entlang führt, Kirchenasyl gewähren durfte. An diesen Umstand soll der Umzug erinnern, der wohl von daher auch den Namen „Troménie“ bekam – „Tro Minihy“ bedeutet soviel wie „Gang um den Zufluchtsort“.

Aber auch wer nicht zum religiösen Umgang erscheint, sondern nur einen der schönsten Orte Frankreichs besuchen will, kommt in Locronan auf seine Kosten. Überaus malerisch präsentiert sich der schon seit 1936 unter Denkmalschutz stehende Hauptplatz des Ortes mit Brunnen in der Mitte und der Kirche St. Ronan am Rande. Die unverputzten Renaissance-Häuser des Dorfplatzes und der angrenzenden Straßen, aus Granit errichtet, sind in ihrem hervorragenden Erhaltungszustand nicht nur erbaulicher Anblick und ideale Filmkulisse, sondern scheinen überall Geschichte zu atmen und vom einstigen Wohlstand des Ortes zu künden, den die fleißigen Einwohner Locronans im Spätmittelalter durch Herstellung hochwertigen Segeltuches für die bretonische und später französische Flotte erwarben. Oft ist der Platz durch Touristen ebenso belebt wie die schöne, stilreine Kirche St. Ronan aus dem 15. Jahrhundert. Sie hat nicht nur in ihrer Apsis guterhaltene Buntglasfenster aus der Erbauungszeit zu bieten, sondern beherbergt in ihrer Seitenkapelle auch das Grabmal des Heiligen Ronan, dessen Liegefigur aus dem 16. Jahrhundert zu einer der ersten Granitskulpturen der Gegend zählt, und eine sehr seltene Kreuzabnahme-Szene, in Stein gehauen und bemalt.

Eine weitere Kapelle mit Kalvarienberg und der Überrest des einstigen Quellheiligtums sind weitere Sehenswürdigkeiten des Ortes, der wie erwähnt zu den bedeutendsten und inzwischen auch bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Halbinsel Cornouaille und der ganzen Bretagne zählt. Um der teilweise – gerade im Umfeld der „Troménies“ gewaltigen – Besucherscharen Herr zu werden, die historischen Gebäude zu schonen und das unvergleichliche Ambiente des Dorfes zu bewahren, ist das Ortszentrum autofrei. Der Besucher kann sein Fahrzeug auf dem unweit vom Ortszentrum eingerichteten Parkplatz abstellen und begibt sich auf einen Fußmarsch in die Geschichte …

Locronan

Locronan mit Kirchturm des Hl. Ronan
Foto Dr. Krause