Dr. Michael Krause, Studienreiseleiter, Dresden

 

Fast schon zu Lebzeiten war er eine Legende: Sébastien Le Prestre, der Marquis de Vauban, lebte von 1633 bis 1707 und stammte eigentlich aus eher bescheidenen Verhältnissen. In die Geschichte eingegangen ist er als Marschall von Frankreich, als General und natürlich als der Festungsarchitekt Ludwigs XIV.! Über seine Husarenstreiche, kühnen Sprüche und sein sprichwörtliches Selbstvertrauen echauffierte man sich bei Hofe und in Militärkreisen. In der Neuzeit setzte der französische Staat seinem berühmten Sohn ein besonderes Denkmal: 2007, zum 300. Todestag von Frankreichs bekanntestem Festungsbaumeister, ließ Frankreich einige seiner militärtechnisch bedeutsamsten und originellsten Fortifikationsanlagen auf die Weltkulturerbe-Liste der UNESCO setzen. Seit 2008 zählen vierzehn seiner Bauwerke unter dem Namen „Festungen von Vauban“ zu den bedeutendsten Kulturgütern der Welt, von den anderen insgesamt etwa 150 Festungen stehen alle auf den nationalen Denkmallisten Frankreichs oder Deutschlands.

In der Bretagne hat er sich unter anderem mit dem Ausbau der historischen Altstadtfestung von Concarneau Ende des 17. Jh. ein Denkmal errichtet. Der bretonische Hafen ist nach der angelandeten Fischmenge der siebtgrößte Fischereiort Frankreichs und führend im französischen Thunfischfang. Er liegt im Departement Finistère und gehört zu den unbedingt sehenswerten Orten in der Bretagne.

Wer ein Luftbild des etwa 20.000 Einwohner großen Ortes (er hat also etwa die Größe von Radeberg in Sachsen) sieht, glaubt fast, ein gewaltiges steinernes Schiff am Rand des Hafens zu erkennen. In dieser Anmut etwa scheint die Altstadt, die „Ville Close“, am Meeresufer vertäut, von den Gezeiten des Atlantik zumindest während der Flut umspült. Bereits seit dem 12. Jh. ist die ehemalige felsige Gezeiteninsel durch Brücken mit dem Festland verbunden. Was einst als kleines, von der von irischen Mönchen recht früh gegründeten Abtei Landévennec bewirtschaftetes Tochterkloster begann, entwickelte sich seit dem 14. Jh. zu einer wehrhaften, von Mauern umschlossenen Hafenfestung. In den folgenden Jahrhunderten beständig erweitert, machte Frankreichs Festungsbaumeister Vauban den damals schon dichtbesiedelten und mit einer Garnison in der Altstadt versehenen Ort zu einem Schmuckstück der Festungsbaukunst.

Die Hauptstraße der überaus fotogenen „Ville Close“, jener „geschlossenen“ Altstadt, die nur etwa 350 m lang, und 100 m breit und von nur wenigen Straßen durchzogen ist, trägt noch den Namen des berühmten Festungsingenieurs.

Den Ort, der sich im Mittelalter zu einer wichtigen bretonischen Festung entwickelt hatte, zogen die Religionskriege in Frankreich Ende des 16. Jahrhunderts in Mitleidenschaft. Während in der darauffolgenden Zeit die Bretagne entscheidend für den Aufbau der Seemacht Frankreichs wurde, erkannte knapp hundert Jahre später Sébastien Le Prestre de Vauban rasch das Potential dieser alten Festung. Er ließ sie nach damals modernsten Gesichtspunkten umbauen, bezog aber viele alte Gebäudeteile ein, so dass bis heute uralte Tore und Türme mit moderneren Ein- und Ausbauten versehen, das Gesicht der Ville Close prägen. Nachdem Frankreichs erfahrenster Festungsarchitekt „Hand angelegt“ hatte, wurde sie als „Königliche Stadt“ einer der Eckpfeiler der Seekriegs- und Seefestungspolitik Ludwigs XIV. und seiner Nachfolger.

Getreu den Regeln der Renaissance-Festungsbaukunst, die Vauban vereinnahmte und weiterentwickelte, sollten die von den Wassern der Gezeiten umspülten Mauern der „Stadtfestung“ wie ein Schiffsbug feindliche Kanonenkugeln im Falle eines Beschusses einfach abprallen lassen.

Heute sind die Festungsanlagen noch komplett erhalten, was ein einmaliges Erlebnis erlaubt und Dutzende von Fotomotiven bietet, die „Remparts“ zu begehen. Aus der einmaligen Perspektive der alten Wehrgänge eröffnen sich zauberhafte Einblicke in die schmalen Straßen der kleinen Festungsstadt und wundervolle Ausblicke über Hafen und Meer.

 

VAUBANS FESTUNG CONCARNEAU

 

concarneau

Foto Dr. Krause